Enegieversorgung: So funktioniert der deutsche Markt

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Die gesicherte Enegieversorgung ist für Industrienationen wie Deutschland eine Frage des Überlebens. Was täten wir, wenn die Strom- oder Gasversorgung plötzlich unterbrochen wäre? Und auf welche Energieträger sollen private Haushalte setzen?

Die Enegieversorgung in Deutschland ist im Umbruch

Spätestens seit dem Atomausstieg ist die Energiewende beschlossene Sache. Bereits Ende der 90er Jahre wurden die ersten Weichen dafür gestellt, doch bis zum vollständigen Wechsel auf erneuerbare Energien wird noch einige Zeit vergehen. Vor allem beziehen sich diese Aussagen zumeist auf die Stromversorgung, während die Gasversorgung im Hinblick auf die Wärmeerzeugung für die meisten Haushalte nicht weniger wichtig ist.

Gerade das Gasnetz hat aber unterschiedliche Aufgaben. Zum einen wird Erdgas als reiner Brennstoff für die heimische Gasheizung oder als Rohstoff für die Industrie benötigt, aber auch die Stromerzeugung wird in Gaskraftwerken nach wie vor ein Thema bleiben, da diese Kraftwerke grundlastfähig sind.

Im Gegensatz zu Wind- oder Sonnenenergie lassen sich Gaskraftwerke schnell an- und abschalten und können somit flexibel auf Schwankungen beim Strombedarf reagieren. Zudem kann das Erdgasnetz mittlerweile sogar als Speicher für erneuerbare Energien genutzt werden. Wird zum Beispiel sehr viel Sonnen- oder Windenergie produziert, kann überschüssige Energie zur Erzeugung von Methan oder Wasserstoff genutzt werden. Diese kann man dann in die Erdgasnetze einspeisen, die somit zu gigantischen Energiespeichern werden.

Damit immer genügend Erdgas zur Verfügung steht, muss ein Land wie Deutschland den Großteil seines Bedarfs aus anderen Ländern importieren.

Damit immer genügend Erdgas zur Verfügung steht, muss ein Land wie Deutschland den Großteil seines Bedarfs aus anderen Ländern importieren.(#01)

Wie wird die Enegieversorgung in Deutschland gesichert?

Damit immer genügend Erdgas zur Verfügung steht, muss ein Land wie Deutschland den Großteil seines Bedarfs aus anderen Ländern importieren. Insbesondere Russland, Norwegen und die Niederlande sind wichtige Lieferanten für die heimische Enegieversorgung. Die Energiedaten werden vom Statistischen Bundesamt laufend aktualisiert und weisen nach, dass vor allem die Industrie den Großteil des Gasbedarfs erzeugt. Aber auch private Haushalte sind natürlich nach wie vor auf Erdgas angewiesen.

  • Gesamtverbrauch Erdgas 2016: ca. 95 Mrd m³
  • inländische Produktion 2016: ca. 8 Mrd m³
  • 94 % des Bedarfs werden über Pipelines aus anderen Ländern importiert
  • Industrie ist der stärkste Verbraucher von Erdgas

Die Energieversorgung über Pipelines ist effizient und schnell, hat aber ein Problem, das immer wieder auf die Tagesordnung kommt: Aus strategischer Sicht macht sich Deutschland von den Energielieferungen aus dem Ausland sehr abhängig. Insbesondere der Bezug von Erdgas aus Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion wird von Experten kritisch gesehen. Neben politisch gewollter Verknappung (z. B. um höhere Preise oder politische Ziele durchzusetzen) spielen dabei auch technische Probleme eine Rolle – kommt es zu Unterbrechungen der Hauptversorgungsleitungen, die langwierige Reparaturen erfordern, ist es schwierig, auf andere Lieferwege auszuweichen.

Um einen Puffer für derartige Vorkommnisse aufzubauen, wurde nach der Öl- und Energiekrise der frühen 1970er eine strategische Reserve für Gas und Öl aufgebaut, die eine normale Enegieversorgung für mindestens drei Monate sicherstellen soll. Diese Reserven werden in geheimen Lagerstätten verwahrt und normalerweise nicht ohne besonderen Grund von der Regierung freigegeben. Die Versorgungssicherheit ist in Deutschland in der Praxis aber sehr hoch, zu gravierenden Ausfällen ist es in der Nachkriegszeit noch nie gekommen. Das öffentliche Netz steht seit der Liberalisierung des Energiemarktes nicht mehr nur den jeweiligen Erzeugern und Eigentümern der Netze offen, sondern allen Energieanbietern, die Kunden beliefern möchten.

Der ungehinderte Netzzugang ist ein wichtiges Element bei der Liberalisierung des Gasmarktes gewesen, obwohl die Effekte auf die Preise weit weniger durchschlagend waren wie etwa bei der Liberalisierung des Telefonnetzes. Die Betreiber der Netze sind für die Sicherheit der Versorgung mit Gas und Strom verantwortlich. Sie müssen rund um die Uhr sicherstellen, dass immer so viel Energie zur Verfügung steht, wie von den Verbrauchern (sei es industriell oder privat) entnommen wird. Anders als in vielen anderen Ländern existiert in Deutschland ein Netzverbund, welcher die mehr als 730 Netzbetreiber unter einem Dach vereint.

Diese Zahl ist vergleichsweise hoch, denn anderswo teilen sich in der Regel wenige Versorger den Markt. Während man sich den Energieanbieter frei aussuchen kann, ist man an den Netzbetreiber je nach Wohnort fest gebunden, da diesem nun einmal das örtliche Versorgungsnetz gehört.

Für die Sicherheit der privaten Enegieversorgung spielt aber selbst das keine Rolle, denn geht ein Energieanbieter pleite, wird niemals einfach die Versorgung mit Gas oder Strom eingestellt.

Für die Sicherheit der privaten Enegieversorgung spielt aber selbst das keine Rolle, denn geht ein Energieanbieter pleite, wird niemals einfach die Versorgung mit Gas oder Strom eingestellt.(#02)

Gibt es Unterschiede in der Qualität der Energieversorgung?

Wer sich mit der Entscheidung trägt, ob er die Gasinstallateure anruft, um beispielsweise vom Energieträger Öl auf Gasheizung umzustellen, fragt sich natürlich, ob es große Unterschiede bei der Qualität der verschiedenen Energieversorger auf dem deutschen Markt gibt. Immerhin kann man auch den Lieferanten des Heizöls frei wählen und je nach Marktlage einkaufen. Mit einem Gasversorger muss man hingegen – ähnlich wie beim Stromversorger – einen Liefervertrag schließen, der eine bestimmte Laufzeit hat. Bevor man das tut, sollte man natürlich bei einem einschlägigen Onlineportal einen Gaspreisvergleich durchführen.

Generell gilt das, was auch beim Strom gilt: Alle Anbieter liefern dasselbe Erdgas aus dem allgemeinen Gasnetz, weder Zusammensetzung noch Qualität unterscheiden sich bei der Enegieversorgung in irgendeiner Art und Weise. Probleme kann es allenfalls geben, wenn man an einen unseriösen Energieanbieter gerät, der irgendwann nicht mehr liefern kann und in die Insolvenz geht. Für den Verbraucher ist das vor allem dann ärgerlich, wenn Vorauszahlungen geleistet wurden, die man dann nicht mehr zurückbekommt.

Für die Sicherheit der privaten Enegieversorgung spielt aber selbst das keine Rolle, denn geht ein Energieanbieter pleite, wird niemals einfach die Versorgung mit Gas oder Strom eingestellt. Sie wird dann notfalls vom Grundversorger übernommen (allerdings meist zu höheren Tarifen). Es steht also niemand plötzlich im Dunkeln oder in der Kälte, solange er als Kunde seine Energie bezahlen kann und das auch tut. Die Pflichten der Energieanbieter sind im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) genau geregelt.

Dazu zählen unter anderem die folgenden Bestimmungen:

  • Die Versorger müssen mehrere Bezahlmöglichkeiten für die Enegieversorgung anbieten
  • Vor einer Belieferung darf kein Abschlag kassiert werden
  • Die Abschlagszahlungen müssen sich am bisherigen Jahresverbrauch orientieren
  • Spätestens nach zwölf Monaten muss eine Abrechnung erstellt und binnen sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums zugestellt sein. Sie muss verständlich ausgeführt werden und neben den eigentlichen Kosten auch den Jahresverbrauch des Kunden in einen Vergleich mit den Energiedaten von Durchschnittskunden setzen.
  • Vertragsänderungen sind nicht ohne Kundeninformation möglich. Bei Preiserhöhungen und anderen Vertragsänderungen besteht ein Sonderkündigungsrecht, auf das gesondert hingewiesen werden muss.

Video: Bundesnetzagentur im Porträt

Wer kontrolliert die Sicherheit der Enegieversorgung im Strom- und Gasnetz?

Die Einhaltung der Gesetze und Bestimmungen obliegt der Bundesnetzagentur, die als Aufsichtsbehörde für Energieversorger, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber fungiert. Sie kontrolliert unter anderem, dass kein Versorger einen Kunden mutwillig von der Enegieversorgung ausschließt und die Netzbetreiber ihrerseits keine anderen Versorger benachteiligen und den freien Netzzugang gewähren. Außerdem wird die Zuverlässigkeit der Energieversorger überprüft: Lässt das Unternehmen seine Kunden öfter in die Grund- oder Ersatzversorgung fallen, gibt es entsprechende Konsequenzen.

Verbraucher können sich mit Beschwerden direkt an die Bundesnetzagentur wenden. In der Regel ist aber die Schlichtungsstelle Energie die erste Anlaufstelle, wenn es zu Problemen mit dem Energieversorger kommt. Dies ist häufiger der Fall, wenn es um die Auszahlung eines versprochenen Bonus für den Wechsel zum gegenwärtigen Energieversorger geht oder Guthaben länger einbehalten werden. Nachdem man den Versorger mit den Vorwürfen konfrontiert hat und keine zufriedenstellende Antwort erfolgt, kann man sich als Verbraucher kostenfrei an die Schlichtungsstelle wenden.

Über einen Ausfall der Enegieversorgung muss man sich als Verbraucher in Deutschland keine Sorgen machen. Solange es nicht zu katastrophalen Ereignissen wie Krieg oder Erdbeben kommt, ist eine Unterbrechung der Versorgung relativ unwahrscheinlich.

Über einen Ausfall der Enegieversorgung muss man sich als Verbraucher in Deutschland keine Sorgen machen. Solange es nicht zu katastrophalen Ereignissen wie Krieg oder Erdbeben kommt, ist eine Unterbrechung der Versorgung relativ unwahrscheinlich. (#03)

Fazit: Die Enegieversorgung in Deutschland ist sehr sicher geregelt

Über einen Ausfall der Enegieversorgung muss man sich als Verbraucher in Deutschland keine Sorgen machen. Solange es nicht zu katastrophalen Ereignissen wie Krieg oder Erdbeben kommt, ist eine Unterbrechung der Versorgung relativ unwahrscheinlich. Die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen ist zwar sehr hoch, wird aber durch eine große strategische Reserve relativiert.

Für Häuslebauer und Eigentümer ist die Frage, die Gasinstallateure mit dem Einbau einer Gasheizung zu beauftragen, vor allem eine finanzielle Entscheidung. Die Gaspreise sind zwar an die Entwicklung der Ölpreise gekoppelt, doch Erdgas gilt trotz seiner Eigenschaft als fossiler Energieträger als vergleichsweise umweltfreundlich und verbrauchsgünstig. Die Grundlastfähigkeit von Gaskraftwerken zur Stromerzeugung sowie die Möglichkeit, Energie aus erneuerbaren Quellen in den Gasnetzen zu speichern, spricht außerdem für diese Form der Versorgung.

Der Markt ist durch die Gesetze und Bestimmungen bis ins Detail geregelt, die Versorgungssicherheit also von dieser Seite her extrem hoch. Selbst wenn ein Energieanbieter die Belieferung einstellen muss, weil er in finanzielle oder andere Schwierigkeiten gerät, wird der Endverbraucher immer über die Ersatzversorgung des örtlich zuständigen Grundversorgers beliefert.

Einen günstigen Energieanbieter zu finden, erfordert den sorgfältigen Preisvergleich, denn die Preisunterschiede sind sehr hoch. Dies geht am besten über ein Onlineportal, das die verschiedenen Angebote unabhängig miteinander vergleicht.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Alberto Masnovo -#01: Denys Prykhodov  -#02: Pand P Studio -#03: austinding

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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