Heimwerkerkurse für Frauen: ein neuer Trend?

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Um heute etwas in der Wohnung oder im Haus neu zu gestalten oder zu reparieren, braucht es keinen Handwerker mehr. So denken die Männer schon seit den 1960er Jahren, jetzt sind auch immer mehr Frauen am Heimwerken interessiert. „Do it yourself (DIY)“ boomt – nicht zuletzt, weil Frauen unabhängig von den Männern sein wollen und es zudem billiger ist, anfallende Reparaturen selbst zu erledigen.

Heimwerkerkurse für Frauen: machen uns die Mädels überflüssig?

Über 40 Prozent der Baumarktkunden sind mittlerweile weiblich. Darin sahen auch Bauhaus, Hornbach, Obi und Co. Potential, und bieten seit einigen Jahren bundesweit Heimwerkerkurse speziell für Frauen an. Diese sind fast immer ausgebucht, was das immense Interesse der weiblichen Bevölkerung zeigt. Das Klientel reicht dabei von Studentinnen über Singles bis Seniorinnen und Witwen. 60 Prozent geben an, dass sie die Workshops belegen möchten, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Denn: Frauen trauen sich oft nicht. Aus diesem Grund haben die Heimwerkerkurse auch eine ermutigende Wirkung.

Die Kurse selbst sind meist kostenlos und finden mehrmals im Jahr statt. Ein Fachtrainer vermittelt Grundlagen über die verschiedenen Materialien und Werkzeuge und je nach Schwerpunkt des Kurses lernen die Frauen, wie Laminat verlegt, richtig Tapeziert wird oder Sanitäranlagen montiert werden.

Women’s Night: Seminar für Frauen ist kostenlos, aber nicht umsonst

Ob Baumärkte, Volkshochschule oder spezialisierte Einrichtungen wie die „Do it yourself-Academy“ in Köln – immer mehr Institutionen bieten Heimwerkerkurse speziell für Frauen an. Das Prinzip ist simpel: Frauen, die gerne handwerkliche Fähigkeiten erlernen oder verbessern möchten, melden sich bei einem entsprechendem Kurs an und bekommen Grundlagen in Form von Fachwissen und den notwendigen Handgriffen vermittelt. Das Konzept geht auf – an solchen Workshops nehmen bis zu 400 Frauen teil, die Anmeldezahlen liegen noch weit höher.

Doch wieso boomen solche Handwerkskurse so enorm? „Do it yourself“ ist schon lange beliebt: vor 60 Jahren emanzipierten sich die Männer von den Handwerkern, wodurch Baumärkte erfolgreich wurden und sich ihr Sortiment stetig vergrößerte. In der derzeitigen „Do it yourself“-Bewegung emanzipieren sich die Frauen sowohl von den Handwerkern als auch allgemein von den Männer bezüglich handwerklicher Fähigkeiten. Auch Frauen interessieren sich jetzt für Reparaturen, Wartungsarbeiten und Gestaltungsmöglichkeiten in den eigenen vier Wänden und wollen diese Aufgaben selbst übernehmen.

Heimwerkerkurse stärken das Selbstbewusstsein der Frauen

Die auf Frauen spezialisierten Kurse und Seminare werden vor allem aufgrund der Männer angeboten, da diese durch ihre Sprüche das Selbstbewusstsein der weiblichen Bevölkerung schrumpfen lassen. Laut dem Handelsverband Handwerken, Bauen und Garten (BHB) sind mittlerweile 43 Prozent der Baumarktkunden weiblich. Während noch vor einiger Zeit Männer den Handwerksbereich dominierten, müssen sich die Baumärkte nun auf eine neue, weibliche Kundschaft umstellen. Denn: das Marktforschungsinstitut Forsa belegte, dass 75 Prozent der Frauen selbstständig Reparaturen im Haushalt beheben wollen, da es schlichtweg günstiger ist, als einen Handwerker zu beauftragen. 60 Prozent nehmen an Heimwerkerkursen und kostenlosen Seminaren teil, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Und jede dritte Frau greift zu Hammer, Bohrer und Co, weil es ihr Partner nicht tut.

Baumärkte nutzen das Interesse an den Heimwerkerkurse für ihr Marketing

Die neue Zielgruppe ist für Baumärkte essentiell, da diese vor einer Krise stehen. Der Umsatz verringert sich, die Ketten Max Bahr und Praktiker mussten bereits schließen. Für die Baumärkte ist es daher von großer Bedeutung, die neue weibliche Kundschaft für sich zu gewinnen. Dazu müssen Strategien geändert werden: so werden die Regale nun niedriger und die Beratung, die laut Umfragen für Frauen wichtiger ist als die Leistung eines Gerätes, verbessert. Darüber hinaus stellen die Baumärkte Videos online, in denen Anleitungen verfilmt wurden; im Sortiment wird einfaches Klick-Laminat aufgenommen und es wurde ein Akkuschrauber entwickelt, der gerade einmal 300 Gramm wiegt.

Die von den Baumärkten angebotenen Kurse sind zwar für die Teilnehmerinnen kostenlos, allerdings müssen die Baumärkte selbst hohe Summen in die Workshops investieren. Doch aufgrund der großen Nachfrage lohnen sich die Kurse auch für die Filialen, da sie auf diesem Weg auch die Frauen als neue potentielle Kundschaft erreichen und diese Zielgruppe von ihren Produkten begeistern und überzeugen können. Denn, dass wissen mittlerweile auch die Marketingabteilungen der Baumärkte: die Gestaltung des Hauses geht meist immer von der Frau aus.

Heimwerkerkurse für Frauen: BAUHAUS geht voran

Die Baumarktkette Bauhaus bietet seit dem Jahr 2007 speziell für Frauen die sogenannte Women’s Week sowie Women’s Night von Hannover bis München an. Diese Veranstaltungen finden mehrmals jährlich bundesweit in den Filialen statt. Wie bereits oben erwähnt sind dabei alle Kurse kostenlos und werden von Fachkräften geleitet. Die Kurse der Women’s Night werden parallel in den Abendstunden angeboten, sodass die Frauen die Möglichkeit haben, sich nach Interesse ein Thema auszusuchen. Die Kurse dauern zwei bis drei Stunden und reichen von „Fliesen legen“ über „Tapezieren“, „Kreative Wandgestaltung“, „Bohren, Schrauben und Dübeln“ bis hin zu „Laminat verlegen“. Das Konzept der Women’s Night sieht vor, hartes Arbeiten mit Entspannung zu verbinden – so wird den Frauen nach der Vermittlung der Kenntnisse sowie dem selbstständigen Ausprobieren der Handgriffe in einer Lounge Sekt spendiert.

Bei der Women’s Week handelt es sich hingegen um eine Themenwoche rund ums Handwerken. Dabei besuchen die Teilnehmerinnen eine komplette Woche lang jeden Tag einen zwei- bis vierstündigen Kurs zu unterschiedlichen Themen, sodass die Frauen nach diesen fünf Tagen ein fundiertes Grundwissen über handwerkliche Fähigkeiten vorweisen können.

Der Heimwerkertrend für Frauen zeigt sich auch an der DIY Academy in Köln, die sich unter anderem speziell auf Handwerkskurse für Frauen spezialisiert hat. Während die Akademie im Jahr 2011 noch 59 Kurse anbot, waren es ein Jahr später schon 88 und 2013 schließlich 284 Kurse, was einer Steigerung von 220 Prozent innerhalb von zwölf Monaten entspricht. Die DIY-Academy bietet, wie die Baumärkte, Kurse zu verschiedenen Themen an: Maurern, Verputzen, Dach- und Innenausbau oder Carport- und Pergolaausbau sind nur einige Beispiele. Die Kurse finden samstags zwischen zehn und 17 Uhr statt, wodurch auch berufstätige Frauen die Möglichkeit an der Teilnahme haben. In den Workshops selbst wird zunächst theoretisches Wissen vermittelt, während die Frauen anschließend die Möglichkeiten haben, das Erlernte praktisch umzusetzen. Sowohl die Kurse der DIY-Academy als auch die der Baumärkte können bequem online gebucht und mittlerweile teilweise auch als Gutschein verschenkt werden.


Bildnachweis: © presse.diy-academy.eu



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Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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