Hochwasser: Schutz vor der Flut wird immer wichtiger

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Ein Hochwasser tritt nicht einfach auf und das Wasser fließt problemlos wieder ab. Hochwasser kann die Existenz vernichten! Wer erinnert sich nicht noch an das Hochwasser der Elbe in 2002?

Was ist Hochwasser? Was macht Hochwasser so gefährich?

Vereinfacht gesagt: Hochwasser bedeutet mehr Wasser, als die Flüsse und Seen einer Region fassen können. Doch obwohl Wasser gleichbedeutend mit Leben ist, kann es zur Bedrohung für Mensch und Tier werden. Die Zahl der Flutkatastrophen nimmt auch in Deutschland zu und die Schäden betragen jedes Mal mehrere Millionen Euro.

Als Hochwasser wird ein Gewässerzustand benannt, der deutlich über dem normalen Pegelstand liegt. Das Gegenteil davon ist das Niedrigwasser, was gerade im Sommer 2019 in Ostdeutschland vielerorts zum Problem wird.

Normalerweise ist das Hochwassergeschehen als natürlicher Vorgang einzustufen. Doch sind menschliche Werte davon betroffen, wird das Wasser zur Katastrophe. In vielen Regionen gibt es regelmäßige Hochwasservorkommen, was durch die Gezeiten oder durch das Schmelzwasser im Frühling hervorgerufen wird. Gern wird mit der Bezeichnung „Jahrhunderthochwasser“ ein Bericht über die neueste Hochwasserlage eingeleitet, doch angesichts der Vielzahl der Vorkommnisse kann diese Bezeichnung relativiert werden.

Video: Hochwasser an der Elbe

Wie entsteht Hochwasser?

Häufig sind starke Regenfälle über einen längeren Zeitraum oder kurze Starkniederschläge der Grund für ein Hochwassergeschehen. Der Boden kann die Wassermassen, die vielerorts auch durch die Schneeschmelze im Frühling auftreten, nicht fassen, das Wasser fließt oberflächlich in Flüsse und Seen. Hier steigen die Wasserstände, gleichzeitig werden weitere Gewässer mit den Wassermengen gespeist. So steigen die Pegel auch dort, wo die natürlichen Wassermassen nicht in unmittelbarer Umgebung aufgetreten sind.

Um zu erkennen, wie Hochwasser entsteht, ist auch eine Betrachtung des Bodens und seiner Beschaffenheit wichtig. Denn je nach Bodenart, Humusgehalt und Dichte sowie je nach vorhandenen Hohlräumen im Boden kann das Wasser mehr oder weniger gut abfließen. In Regionen, in denen Gewässer keine Retentionsräume haben (zum Beispiel durch Auen) und wo auch keine natürlichen Rückhaltemöglichkeiten vorhanden sind, treten die Gewässer über ihre Ufer.

Sturzfluten entstehen vor allem im Gebirge, wo aufgrund des Gefälles eine schnelle Entwässerung vorhanden ist. Wichtig ist auch, wie groß das Einzugsgebiet des jeweiligen Gewässers ist und welche Form es hat. So wird bei einer ovalen Form sehr viel Wasser gesammelt, fließt dann aber an einer Stelle zusammen.

Die globale Erwärmung wird dafür verantwortlich gemacht, zum Hochwassergeschehen maßgeblich beizutragen, sicher bewiesen ist dies aber nicht. In jedem Fall gehen Experten davon aus, dass dem Hochwasserschutz künftig mehr Raum gegeben werden muss und dass die Anzahl der Hochwasservorkommen steigen wird. Sicherlich spielt dabei auch die Flächennutzung durch den Menschen eine Rolle, der viele Oberflächen versiegelt und dem Wasser damit keine Möglichkeit zur Versickerung gibt.

Sturzfluten, die Hochwasser verursachen können, entstehen vor allem im Gebirge

Sturzfluten, die Hochwasser verursachen können, entstehen vor allem im Gebirge. (#01)

Was bewirkt der Hochwasserschutz?

Um sich vor Hochwasser zu schützen, wird seitens der Behörden die sogenannte Drei-Säulen-Strategie gefahren. Bei dieser geht es um das Zusammenwirken von technischen Maßnahmen, den Maßnahmen der Vorsorge und der natürlichen Rückhaltemaßnahmen:

  • Technischer Schutz

    Im Fokus der technischen Hochwasserschutzmaßnahmen stehen Fließgewässer. Hier wiederum sollen Objektschutz und natürliche Rückhaltemaßnahmen zusammenwirken. Um Wasser zurückzuhalten, werden Rückhaltebecken geschaffen, außerdem muss es eigens festgelegte Überschwemmungsgebiete geben, die als Polder bezeichnet werden. Hier ist das Speichern großer Wassermassen möglich und Hochwasserwellen wird die Spitze genommen.
    Bauwerke, die entlang eines Gewässers errichtet werden, gehören zu den technischen Maßnahmen des Objektschutzes. Dämme und Flutmauern sind zwei Beispiele dafür. Außerdem können bei Bedarf mobile Elemente aufgestellt werden. Wichtig ist in jedem Fall, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erklärt in seinem Video die Ursachen und mögliche Schutzmaßnahmen aufeinander abzustimmen. (siehe weiter unten)

  • Natürliche Rückhaltemaßnahmen

    Nicht selten betrifft es die Altstadt eines Ortes, wenn das Hochwasser in die Stadt strömt. Doch gerade die Altstadt ist in der Regel besonders schützenswert, da sich hier das kulturelle Zentrum befindet. Auf dem Weg dorthin kann das Wasser jedoch nur den gepflasterten Straßen folgen und hat folglich keine Möglichkeit, zu versickern oder abzufließen. Gullis und Kanäle sind von derartigen Wassermassen meist völlig überfordert. Es gilt daher, natürliche Rückhaltemaßnahmen zu ergreifen, damit das Wasser gar nicht erst so weit kommt. Die Entsiegelung von landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie die Förderung einer natürlichen Entwicklung von Gewässern (zum Beispiel durch Renaturierungsmaßnahmen von Flüssen, durch Vernetzung von Auen oder Rückverlegungen von Deichen) muss somit im Fokus des Hochwasserschutzes stehen.

  • Weitere Vorsorge

    Diese dritte Säule bezieht sich auf alle Maßnahmen, die in den organisatorisch-technischen Bereich des Hochwasserschutzes fallen. Es geht um die Einrichtung neuer Hochwasserzentralen, um die Ausweisung der Überschwemmungsgebiete und um die Verhinderung des Bauens auf als gefährdet bekannten Bereichen

Video: Hochwasser – Ursache und Wirkung

Was kann jeder selbst gegen Hochwasser tun?

Das Hochwasser verhindern kann natürlich niemand, auch das Ansteigen der Wasserstände lässt sich nicht durch einzelne Personen beschränken. Doch die Menschen können durchaus etwas zum Hochwasserschutz beitragen, indem sie ihr eigenes Hab und Gut schützen. Vor allem die Menschen, die ihr Haus in einem Flussgebiet bauen wollen, sollten sich Gedanken über einen effektiven Schutz vor Hochwasser machen.

Versicherungen tragen zwar die Kosten für die Behebung von Hochwasserschäden, Ärger und Verlust bleiben jedoch. Es sollte sich jeder dessen bewusst sein, dass die Gefährdung tatsächlich vorhanden ist, auch wenn nicht gerade ein großer Fluss in direkter Umgebung liegt. Die großen Hochwasserkatastrophen von 2002 und 2013 haben allen Orten gezeigt, dass das Wasser kommen kann.

Die folgenden Tipps helfen dabei, sich vor Hochwasser zu schützen und beizeiten geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen:

  • Vor dem Bauen Lage prüfen

    Manche Region mag idyllisch und wunderhübsch sein, doch das Hochwasserrisiko ist dort besonders groß. Gibt es lediglich den Grund, dass es dem Betreffenden dort landschaftlich gefällt, sollte die Entscheidung für den Kauf eines Grundstücks oder Bau eines Hauses in einer Gefährdungsregion noch einmal überprüft werden. Eventuell ist es sinnvoller, woanders zu bauen und dafür sicherer vor Hochwassergeschehnissen zu sein. Vielleicht muss der neue Wohnort nicht unbedingt im bedrohten Flussgebiet liegen!

  • Haus auf Schwachstellen prüfen

    Nicht nur, dass das Wasser in den Keller eindringen kann. Vielmehr ist auch das Haus selbst gefährdet! Es sollte daher rechtzeitig auf Schwachstellen überprüft werden: Steht es in einer Senke? Können sich demzufolge Wassermassen sammeln? Welche Tipps zur Vorbeugung kann ein hinzugezogener Experte geben? Danach muss entschieden werden, was umsetzbar ist. Wichtig ist dabei vor allem der Keller, denn er ist am stärksten gefährdet. Hier kann nicht nur Hochwasser Schäden anrichten, sondern es ist auch möglich, dass aufsteigendes Grundwasser aufgrund großer Regenmengen in den Keller dringt.

    Hier gelagerte Möbel oder Unterlagen sind gefährdet, dazu vor allem die Heizung. Ein hoher Wasserdruck ist besonders für Ölheizungen älteren Semesters gefährlich, denn er kann die Leitungen zum Platzen bringen. Somit liegt dann nicht nur eine Wasserkatastrophe vor, sondern auch ein Ölschaden. Die Abdichtung des Kellers hat somit oberste Priorität: Schutzelemente werden an den Fenstern angebracht, eventuell kommen mobile Schutzwände aus Edelstahl oder Aluminium zur Anwendung. Interessante Hinweise dazu gibt auch die Hochwasserschutzfibel der Bundesregierung.

Die Menschen können durchaus etwas zum Hochwasserschutz beitragen, indem sie ihr eigenes Hab und Gut schützen.

Die Menschen können durchaus etwas zum Hochwasserschutz beitragen, indem sie ihr eigenes Hab und Gut schützen. (#02)

  • Wasserdichten Beton beim Bauen verwenden

    Schon beim Bauen eines Hauses kommt es darauf an, für den Katastrophenfall so gut wie möglich vorzusorgen. Somit ist es ratsam, wasserdichten Beton zu verwenden. Bodenplatte und Außenwände des Kellers werden mit diesem Beton errichtet, wobei es teilweise sicherer ist, auf den Keller gänzlich zu verzichten. Wichtig: Auch durch Fugenbänder oder andere undichte Stellen darf später kein Wasser dringen können! Die Verwendung wasserdichten Betons wird als „weiße Wanne“ bezeichnet, wohingegen eine „schwarze Wanne“ besagt, dass der Keller von außen mit Bitumen gestrichen oder mit Kunststoffbahnen verkleidet wird. Damit soll die nötige Abdichtung erreicht werden, sodass kein Wasser eindringen kann.

  • Rückstau aus dem Abwasserkanal verhindern

    Egal, wie dicht der Keller auch ist: Sind die Abflüsse nicht gegen Rückstau gesichert, drückt das Wasser im Ernstfall einfach aus dem Abwasserkanal zurück und flutet den Keller dennoch. In einer öffentlichen Kanalisation sind Rückstaubecken üblich, doch ihre Kapazitäten können zum Beispiel bei Starkregen ausgeschöpft sein. Das Abwasser dringt dann bis in die angeschlossenen Häuser zurück und überschwemmt die Keller. Ein Rückstauverschluss sollte schon beim Hausbau installiert werden, es ist aber auch möglich, ihn nachträglich einzubauen.

  • Fenster wasserdicht machen

    Fenster und Türen sollten etwas höher angelegt werden, damit das Wasser nicht gleich eindringen kann. Eine kleine Treppe und der Verzicht auf ebenerdige Fenster helfen schon viel weiter! Außerdem sind druckwasserdichte Türen und Fenster wichtig.

    Des Weiteren sind verschiedene Schutzsysteme im Handel erhältlich, die im Ernstfall verhindern sollen, dass das Wasser durch Fenster und Türen ins Haus kommt. Wer diese Systeme nicht zur Hand hat, kann sich auch notdürftig behelfen. Sperrholz und Dichtmasse werden zu einem Schutzsystem umgewandelt, wobei die verwendeten Bretter möglichst stabil und dick sein sollten. Sie werden mithilfe von Mauerankern befestigt, die Fugen werden mit Dichtmasse oder Bauschaum ausgefüllt. Bretter geben dem Wasserdruck normalerweise rasch nach, daher sollten sie von hinten abgestützt werden. Der Druck, den das Wasser aufbaut, wird häufig unterschätzt!

Druckwasserdichte Türen und Fenster schützen bei Hochwasser.

Druckwasserdichte Türen und Fenster schützen bei Hochwasser. (#03)

  • Technik abstellen

    Droht das Hochwasser, alle getroffenen Maßnahmen zu überwinden, müssen einige Dinge beachtet werden. Vor allem die Heizungsanlage braucht Schutz! Anschlüsse und Öffnungen sollten gesichert werden, damit hier kein Wasser eindringen kann. Der Tank darf nicht aufschwimmen und muss mit entsprechenden Halterungen daran gehindert werden. Darüber hinaus ist es nötig, die Brenner aus Gas- und Ölheizungen auszubauen, außerdem muss die gesamte Elektronik der Heizung gesichert werden. Danach wird der Strom in allen Bereichen, die als gefährdet gelten, abgestellt.

  • Warnungen beachten

    Allzu häufig werden Hochwasserwarnungen als Lappalie abgetan oder als viel zu verfrühte „Panikmache“. Doch droht zum Beispiel eine Sturzflut, kann es gefährlich werden, noch mal schnell was aus dem Keller zu holen! Um sich und die Lieben zu schützen, kommt es auf ein umsichtiges Verhalten an. Es gilt daher, sich über Hochwasserwarnungen und Wasserstände zu informieren und Wasser, Lebensmittel sowie Batterien auf Lager zu haben. Kinder, Haustiere und Pflegebedürftige sollten in Sicherheit gebracht werden. Vollgelaufene Bereiche nicht mehr betreten! Geräte und Dokumente in die oberen Bereiche des Hauses bringen, das Auto umparken. Kein Hochwassertourismus!


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: Juergen Faelchle – #01: Jose Luis Vega – #02: Marc Bruxelle – #03: Africa Studio

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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