Konstruktionsvollholz: Abmessungen und Material

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Für die Herstellung von Konstruktionsvollholz werden hochwertige Nadelhölzer auf modernen Kreissäge- und Spaneranlagen zu Rohbalken verarbeitet. Die Resthölzer (Späne, Hackschnitzel, Rinde), die dabei anfallen, werden komplett weiterverwertet. Unter anderem werden sie zur Papierproduktion, zur Energieerzeugung oder zur Herstellung von Holzwerkstoffen eingesetzt.

Nach der Trocknung, die in computergesteuerten, vollautomatischen Trockenkammern vorgenommen wird, erfolgt die Sortierung der Hölzer nach der Festigkeit. Die technische Trocknung dauert mehr als 48 Stunden. Wuchsabweichungen, die die Festigkeit mindern, werden herausgekappt. Durch Keilzinkung werden die Enden wieder verbunden. Diese Methode stellt eine ressourcenschonende Holzverwertung dar, die darüber hinaus die Holzeigenschaften positiv beeinflusst.

Im Anschluss werden die Hölzer auf die Länge gekappt und gehobelt, die gewünscht ist. Die Lagerung und Aushärtung findet in klimatisierten Lagerhallen statt, damit die fertigen Hölzer maßhaltig und trocken ausgeliefert werden können. Die Produktion findet stets im Rahmen einer Fremd- und Eigenüberwachung (Qualitätskontrolle) statt, um eine fortwährend hohe Qualität gewährleisten zu können.

Die Holzarten

Standardmäßig wird Konstruktionsvollholz aus Fichtenholz produziert. Des Weiteren sind auch Holzarten wie Lärche, Kiefer, Tanne und Douglasie verfügbar. Weitere, in der Regel nicht gebräuchliche, Nadelhölzer dürfen nach der DIN 1052:2008, Anh. H.2 (3), ebenfalls für die Herstellung von Konstruktionsvollholz verwendet werden.

Anforderungen an Konstruktionsholz

Im Jahr 1995 wurden erstmals in einer Vereinbarung über Konstruktionsvollholz Qualitätskriterien festgelegt und bis dato fortgeschrieben, die über die bauaufsichtlichen Anforderungen hinausgehen. Zur Minimierung von Verformungen und Rissen als Folge von Verschwindens bei Austrocknung wurde die Einschnittart und die Holzfeuchte geregelt. Andere Kriterien beziehen sich vor allem auf das Erscheinungsbild und die Maßhaltigkeit der Hölzer.

Die Anforderungen an Konstruktionsholz zielen also nicht nur auf eine optimale Festigkeit ab, sondern auch auf eine bestimmte Optik. Die zulässige Holzfeuchte liegt mit höchstens 18 Prozent zum Beispiel unter den Vorgaben der nationalen Produktnormen. In der Regel ist die Definition der Oberflächen-Qualität (sofern es eine Definition gibt) wesentlich strenger und beinhaltet mehr Kriterien. Das Konstruktionsvollholz, das nach den deutschen Sortiervorschriften nach seiner Festigkeit sortiert ist, lässt sich über eine europäische Norm den entsprechenden Fertigkeitsklassen zuordnen.

Nach der Optik sortiert

Je nachdem, ob das Konstruktionsholz nur wegen der geringen Materialfeuchte und seiner Maßhaltigkeit eingesetzt werden soll oder ob darüber hinaus eine ansprechende Optik gewünscht wird, können Kunden zwischen den beiden verfügbaren Oberflächenklassen NSi – nicht sichtbarer Einsatz – und Si – sichtbarer Einsatz – wählen. Für letztere Variante werden unter anderem die Rindeneinschlüsse, der Astzustand, die Astgröße und die Rissbreiten begrenzt. In der Regel sind beide Sortimente keilgezinkt. Die Klebungen sind durch die farbneutralen Klebstoffe optisch fast nicht zu erkennen. Damit bleibt die Schönheit der natürlichen Oberfläche erhalten.

Sortiert nach der Festigkeit (nach europäischen und deutschen Vorschriften)

Konstruktionsvollholz wird nach DIN 4074 (deutsche Sortiervorschrift) nach seiner Festigkeit sortiert. Die deutsche Sortier-Norm erfüllt die Anforderungen der europäischen Norm EN 14081 für Festigkeitssortierung. Die gängige deutsche Sortierklasse für Konstruktionsvollholz, S10 TS, lässt sich in Anlehnung an die europäische Norm EN 1912 der europäischen Festigkeitsklasse C24 zuordnen.

Gezielt eingeschnitten und technisch getrocknet

Holzfeuchten über 18 Prozent sind für den modernen Wohnbau kaum geeignet. In einigen europäischen Ländern dürfen sie gar nicht mehr eingesetzt werden. Konstruktionsholz wird technisch auf 15 Prozent (drei Prozent mehr oder weniger sind möglich) Holzfeuchte getrocknet. Bei der Produktion der Keilzinkenverbindung kontrolliert man die Feuchtigkeit jedes Holzes.

Auch die Einschnittart stellt bei Konstruktionsvollholz eine Besonderheit dar. In Abhängigkeit der Oberflächenklassen werden die Kanthölzer entweder herzgetrennt oder herzfrei eingeschnitten. Bei herzfreien Einschnitten wird die rissanfällige Herzbohle herausgetrennt. Bei der anderen Variante wird der Baumstamm in Längsrichtung des Verlaufes der Markröhre eingeschnitten. Durch den besonderen Einschnitt sind diese Holzwerkstoffe äußerst formstabil und neigen nur wenig zum Verdrehen.

Verklebung von Konstruktionsholz

Prinzipiell dürfen für den Einsatz von Konstruktionsvollholz verschiedene Klebstoffe eingesetzt werden. Allerdings erfolgt die Verknüpfung heute ausschließlich über zwei bestimmte Klebstoff-Typen – MUF und PUR. Diese Klebstoffsysteme haben den Vorteil, dass Sie eine schnelle Aushärtungszeit sowie transparente Klebefugen haben. Die Klebstoff-Fugen haben nur eine Dicke von 0,1 bis 0,3 Millimeter. Daneben sind die Klebstoffe gegenüber chemischen Einflüssen sehr unempfindlich. Die Hersteller von Konstruktionsvollholz nutzen meistens nur einen Klebstoff-Typ.

Hohe Energieeffizienz

Gegenüber anderen Baustoffen wie Beton oder Stahl hat der Baustoff Holz eine niedrige Wärmeleitfähigkeit. Tragende Konstruktionshölzer in Dachkonstruktionen oder Außenwand-Konstruktionen besitzen ebenso eine niedrige Wärmeleitfähigkeit, reduzieren somit die Wärmebrücken und machen ein energieeffizientes Bauen möglich.

Moderne Holzbauten, die eine sehr hohe Wärmedämmung haben, bedürfen einer luft- und winddichten Gebäudehülle. Um die Luftdichtigkeit zu gewährleisten, müssen die Baustoffe beim Einbau maßhaltig sein. Durch eine passgenaue Bearbeitung, die Wahl des richtigen Einschnitts und eine maximale Holzfeuchte von 18 Prozent ist Konstruktionsholz für den Einsatz in Energiespar- und Passivhäusern prädestiniert.

Ökologisch, nachhaltig und gesund

Konstruktionsvollholz wird vorwiegend aus Nadelholz hergestellt, das aus nachhaltig bewirtschafteten, europäischen Wäldern stammt. Für die Holztrocknung werden zu einem großen Teil erneuerbare Energien eingesetzt. Die gute Bearbeitbarkeit hält die erforderliche Energiemenge gering. Aus diesem Grund verfügt Konstruktionsvollholz über eine sehr gute Ökobilanz.

Gesundheitsverträgliche und natürliche Baustoffe sind für moderne Bauvorhaben eine wichtige Voraussetzung. Konstruktionsvollholz wird auf eine möglichst geringe Holzfeuchte herabgetrocknet und kann die Feuchte aus der Raumluft aufnehmen. Somit trägt es auch zu einem gesunden Klima in den Räumen bei.

Die Vorteile von Konstruktionsholz im Überblick

  • in zwei Qualitäten lieferbar (Si und NSi)
  • trockene Holzbauteile mit Querschnitt bis maximal 14/26 Zentimeter erhältlich
  • erfüllt in Bezug auf die Sortiernorm DIN 4074-1 höhere Anforderungen
  • wirtschaftliche Vorzugslängen und -schnitte bis 13 Meter sind lagermäßig meist sofort verfügbar, weitere Größen sind in der Regel auf Anfrage möglich
  • durch technische Trocknung insektenunempfindlich
  • auf chemischen Holzschutz kann auf Wunsch verzichtet werden
  • geeignet für Holzhausbau oder Holzrahmenbau
  • dimensionsstabil, weil auf 15 Prozent getrocknet
  • herzgetrennt oder herzfrei eingeschnitten
  • gute Ökobilanz, nachhaltig und gesundheitsverträglich

Bildnachweis: © morguefile.com – marykbaird



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About Author

Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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