Fliesen richtig verfugen: Schritt-für-Schritt-Anleitung!

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Eine ordentliche Fuge lässt das Fliesenbild erst vollständig werden. Doch das Verfugen ist nur dann leicht, wenn ein gewisses Grundwissen darüber vorhanden ist. Diese Anleitung hilft!

Fliesen verfugen: Darum braue Fliesen Fugen

Das Verfugen der Fliesen ist nicht nur aus dem Grund wichtig, weil sich damit ein vollständiges Fliesenbild ergibt. Auch nicht deshalb, weil durch dichte Fliesen kein Wasser mehr an die dahinter liegende Wand dringen kann. Der Hauptgrund, warum das Verfugen der Fliesen so wichtig ist, besteht in den Einflüssen durch Feuchtigkeit und Temperatur. Keramikprodukte können sich zum gewissen Maß unter diesen Einflussfaktoren ausdehnen und wieder zusammenziehen, das Material arbeitet. Auch wenn das weniger stark als bei Holz der Fall ist, würden solche geringen Bewegungen doch dazu führen, dass sich eine gewisse Spannung in den Fliesen aufbaut, wenn sie Kante an Kante verlegt worden wären.

Dies Spannung kann zu Rissen führen, vor allem dann, wenn die Temperatur- und Klimaunterschiede wie im Badezimmer sehr groß sind. Eine Fliese muss sich immer bewegen können, selbst wenn das für das menschliche Auge natürlich nicht sichtbar ist. Moderne Flexkleber für die Fugen stellen genau das sicher und bewirken dank der Kunststoffzusätze im Mörtel, dass die größtmögliche Flexibilität der Boden- oder Wandfliesen gegeben ist. Sogar Feinsteinzeug lässt sich mit diesem Fliesenkleber sicher und nahezu perfekt an die Wand oder auf den Boden bringen.

Des Weiteren sorgen die Fugen dafür, dass geringe Ungenauigkeiten beim Verlegen der Fliesen ausgeglichen werden und optisch weniger auffällig sind.

 Mit Fugenbunt lassen sich optische Effekte erzielen, diese können aber auch negativ wirken, wenn die Wandfliesen eben nicht exakt verlegt worden sind.

Mit Fugenbunt lassen sich optische Effekte erzielen, diese können aber auch negativ wirken, wenn die Wandfliesen eben nicht exakt verlegt worden sind.(#01)

Fliesen verfugen: Der Wand den letzten Schliff geben

Wandfliesen ergeben im besten Fall ein einheitliches Bild und lassen den Raum größer, heller, wohnlicher oder exklusiver wirken. Die genaue Wirkung ist von der Farbe und der Art der Fliesen abhängig, aber auch davon, wie sich die Fliesen verfugen ließen. Das für einen Laien Tückische am Fliesenspiegel an der Wand ist, dass diese genau im Blickfeld liegen und jeder Fauxpas natürlich deutlicher auffällt. Es ist daher nicht nur wichtig, dass die Fliesen selbst plan liegen und ein eventuell darauf befindliches Muster richtig abgebildet ist.

Ebenfalls relevant ist, dass die Fugen eine angemessene Breite aufweisen und sauber verfugt worden sind. Mit Fugenbunt lassen sich optische Effekte erzielen, diese können aber auch negativ wirken, wenn die Wandfliesen eben nicht exakt verlegt worden sind. Gern darf Fugenbunt in einer Farbe verwendet werden, die einen sehr deutlichen Kontrast zu den Wandfliesen darstellt.

Das wird zum Verfugen benötigt:

  • feine Fugenmasse
  • Wasser
  • Silikon für die späteren Dehnungsfugen
  • Fugenkratzer
  • Mörteleimer und Bohrmaschine mit Quirl
  • Fugenbrett
  • Fliesenschwamm
  • evtl. Silikonreiniger

Die folgende Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie das Verfugen der Wandfliesen ablaufen kann:

  1. Reinigen der Fugen
    Vor dem Verfugen muss sichergestellt sein, dass die Fugen auch wirklich sauber sind. Eventuelle Reste von Fliesenkleber müssen entfernt werden.
  2. Reinigen der Fliesen
    Sofern die Wand neu verfugt werden soll oder wenn das Verfugen einige Zeit nach dem Verlegen der Fliesen durchgeführt wird, muss die Wand mit Fett- und Silikonreiniger gesäubert werden.
  3. Haftgrund auftragen
    Soll plan verfugt werden, müssen die in die Fuge abfallenden Seitenkanten der Fliesen mit Haftgrund bestrichen werden. Dafür ist das Abkleben der Fliesenränder nötig.
  4. Fugenmasse anrühren
    Das Anrühren wird genau nach den Angaben des Herstellers vorgenommen. Fugenmörtel lässt sich am besten im Eimer mit einer Bohrmaschine mit Quirl zu einer gleichmäßig dicken Masse vermischen.
  5. Fugenmörtel auftragen
    Zum Auftragen des Mörtels wird das Fugenbrett verwendet. Wichtig: Diagonal zur Fuge streichen! Ebenfalls wichtig ist, dass die Fugen vollständig mit der Fugenmasse aufgefüllt werden.
  6. Reinigen der Fliesen
    Ist der Mörtel angezogen, aber noch nicht trocken, werden die Fliesen vorsichtig mit dem Fliesenschwamm gewaschen. Dies gilt für das plane Verfugen der Fliesen.
  7. Dehnungsfuge füllen
    Im letzten Schritt werden die Dehnungsfugen mit Silikon befüllt. Überschüssiges Silikon kann mit einem Spatel abgezogen und mit dem Finger weggewischt werden.

Tipp: Beim Wegwischen hilft eine Lauge mit Spülmittel!

Das Reinigen der Fliesen sollte umgehend vorgenommen werden, denn ansonsten bildet sich ein grauer Zementschleier darauf. Dieser ist später nur schwer und mit einem besonderen Reiniger wieder zu entfernen. Außerdem kann der Mörtel die Oberfläche der Fliesen angreifen, was sie stumpf wirken lässt.
Bei Fugenbunt ist wichtig, dass immer die gleiche Menge Mörtel mit Wasser angerührt wird, ansonsten können sich nach dem Trocknen Abweichungen in der Schattierung ergeben.

Bodenfliesen sollen ein einheitliches Bild ergeben, ohne optische Brüche durch unregelmäßige Fugen oder durch eine schiefe Verlegung.

Bodenfliesen sollen ein einheitliches Bild ergeben, ohne optische Brüche durch unregelmäßige Fugen oder durch eine schiefe Verlegung.(#02)

Fliesen verfugen: Der Boden wird ein Hingucker

Bodenfliesen sollen ein einheitliches Bild ergeben, ohne optische Brüche durch unregelmäßige Fugen oder durch eine schiefe Verlegung. Wer noch völlig unerfahren im Verfugen ist, sollte daher an einer wenig sichtbaren Stelle die eigenen Fähigkeiten testen und das Verfugen der Fliesen erst einmal probieren. Teilweise ist auch das Imprägnieren der Fußbodenfliesen wichtig, weil diese Mörtel und Reiner wie ein Schwamm aufsaugen und kaum noch zu reinigen sind. Durch das Imprägnieren können Flüssigkeiten nicht so tief aufgesaugt werden. Bei glatten und kleinporigen Fliesenmodellen ist das nicht nötig.

Das wird zum Verfugen benötigt:

  • Wasser und Fugenmörtel
  • Silikon
  • evtl. Reiniger gegen Zementschleier
  • Eimer und Bohrmaschine mit Quirl
  • Wasserschieber oder Fugenbrett mit Hartgummilippe
  • Silikonspritze
  • Spatel aus Holz
  • Fugenkratzer

Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung führt auch Anfänger zu schön verlegten und verfugten Bodenfliesen:

  1. Reinigen der Fliesen
    Vor dem Verfugen müssen auch Fußbodenfliesen absolut sauber sein. Der Fugenkratzer hilft dabei, den Fliesenkleber aus den Fugen zu entfernen.
  2. Fugenmörtel anrühren
    Der Mörtel für Bodenfliesen darf deutlich dünnflüssiger sein als der für Wandfliesen.
  3. Einfugen der Bodenfliesen
    Die Fugenmasse wird auf den Boden gegossen (Maß: nur so viel aufschütten, wie binnen einer halben Stunde eingearbeitet werden kann) und mit dem Schieber verteilt. Es dürfen keine Hohlräume entstehen! Wichtig ist auch, dass die Fugenhöhe immer gleichmäßig ist und dass eine gleichmäßige Fugentiefe erreicht wird.
  4. Ausschwemmen
    Ist der Mörtel ein wenig angetrocknet und glänzt nicht mehr, erfolgt das Ausschwemmen. Dafür wird das Schwammbrett verwendet. Auch hier gilt wieder: Diagonal arbeiten!
  5. Dehnungsfuge ausspritzen
    Die Dehnungsfuge muss noch mit Silikon ausgespritzt werden, dieses wird danach mit dem feuchten Finger abgezogen.
  6. Reinigen
    Sofern die Reinigung so schnell wie möglich erfolgt, ist der Reiniger gegen Zementschleier oft nicht einmal nötig. Zum Reinigen empfiehlt sich ein Tuch aus Leinen oder Baumwolle.
    Wer die Fliesen am Boden und an der Wand verfugen möchte, braucht dafür ein wenig Übung und Zeit. Es ist nicht zwingend nötig, einen Fachmann damit zu beauftragen! Dennoch sollten einige Dinge beachtet werden, wenn das Endergebnis ansehnlich sein soll. Hilfreich sind zum Beispiel Fugenmörtel, die direkt in die Fuge gegossen werden können und die dementsprechend deutlich flüssiger sind. Sie sind auch für das Einfugen der Mosaikfliese sehr gut geeignet. Diese hat den Nachteil, dass sie sehr klein ist und unregelmäßig verlegt wird, weshalb das Verfugen eine echte Kunst darstellen kann. Durch den sehr flüssigen Mörtel ist auch die Mosaikfliese nur noch eine geringe Herausforderung für den Hobby-Heimwerker!
Egal, ob normaler Fliesenmörtel oder Flexkleber verwendet wird: Stark saugende Untergründe müssen in jedem Fall gut befeuchtet werden, ansonsten entziehen sie der Fugenmasse das Wasser.

Egal, ob normaler Fliesenmörtel oder Flexkleber verwendet wird: Stark saugende Untergründe müssen in jedem Fall gut befeuchtet werden, ansonsten entziehen sie der Fugenmasse das Wasser.(#03)

Egal, ob normaler Fliesenmörtel oder Flexkleber verwendet wird: Stark saugende Untergründe müssen in jedem Fall gut befeuchtet werden, ansonsten entziehen sie der Fugenmasse das Wasser. Der Mörtel würde zu schnell austrocknen und nicht richtig nachziehen, die Fugen sind nicht fest genug. Sie würden binnen kürzester Zeit herausbröckeln. Die Arbeit ist dann doppelt so anspruchsvoll, weil bei bröckelnden Fugen erst die gesamte lose Mörtelmasse entfernt werden muss, ehe das neue Verfugen möglich ist.

Wer im Außenbereich verfugen möchte, sollte das nicht bei direkter Sonneneinstrahlung tun. Die Fugen trocknen zu rasch aus, sie sind dann nicht fest. Umgekehrt gilt aber auch, dass Außenbereiche nach dem Verfugen vor Regen geschützt werden müssen. Außerdem ist selbstverständlich, dass das Verfugen nicht bei Frost durchgeführt werden darf. Bodenfliesen im Außenbereich können eine schmalere Fuge bekommen, wenn sie nur im Schatten liegen. Bei einer sonnenexponierten Lage hingegen sollte die Fuge breiter sein, denn diese Außenfliesen werden deutlich stärker arbeiten und Spannung aufbauen.

Wer im Badezimmer oder den Fliesenspiegel in der Küche (zum Beispiel am Spülbecken oder Herd) verfugen möchte, sollte darauf achten, dass die sogenannte „wasserabweisende Fugenmasse“ das Wasser nicht gänzlich abhält. Das heißt, dass eine Sperre unter den Fliesenspiegel gebracht werden muss, damit kein Wasser in die Wand eindringen kann. In der Regel wird eine Grundierung aufgetragen, die das Eindringen von Feuchtigkeit zuverlässig verhindert. Auch im Außenbereich ist das wichtig, denn hier kann ein Fliesenboden oder eine Fliesenwand ebenfalls nicht gänzlich vor Feuchtigkeit geschützt werden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _Lisa S. -#01: FotoAndalucia -#02: DeryaDraws  -#03: Ernest R. Prim

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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