Das eigene Zuhause barrierefrei machen

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Wer sein eigenes Zuhause altersgerecht nutzen möchte, der sollte früh genug vordenken, um die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Zum altersgerechten Wohnen gehören nicht nur ein barrierefreier Zugang zu jedem Raum, sondern auch einige sicherheitsrelevante Eckdaten. Der Vorteil in der Umrüstung des Hauses liegt im selbstbestimmten Leben, das bis ins hohe Alter möglich ist.

Barrieren und Treppen im Alter überwinden

Zum derzeitigen Zeitpunkt ist der geringste Anteil der deutschen Wohnungen wirklich barrierefrei. Erst wenn es älteren, körperlich beeinträchtigten und behinderten Menschen möglich ist, sich einen Raum oder eine Einrichtung ohne Erschwernis zugänglich zu machen, ist vom barrierefreiem Wohnen die Rede.

Laut Aussage des Bundesinstituts für Ort, Stadt und Raumforschung sind derzeit nur 2 % aller Wohngebäude nach dieser Definition barrierefrei. Demnach liegt die DIN Norm 18040-2 konkret fest, welche Kriterien für das barrierefreien Bauen und Wohnen zu Grunde liegen.

Persönliche Beratungsstellen und kompetente Ratschläge gibt es bei den Stellen der Wohnberatung, wie zum Beispiel bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. oder direkt auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. So gehört nicht nur die Umgestaltung der Einrichtung dazu, sondern in einigen Fällen der richtige Antrag an den Reha-Träger. Angesichts eines recht komplizierten Sozialrechts und unterschiedlichen, zuständigen Trägern, wie zum Beispiel die gesetzliche Unfallversicherung, Rentenversicherung oder die Bundesagentur für Arbeit, ist oftmals professionelle Hilfe gefragt.

Ferner ist der Umbau in einigen Fällen sogar steuerlich absetzbar. Kann ein Bauherr nachweisen, dass von Anbeginn bereits die Schwerbehinderung vorlag und gibt es dazu das entsprechende ärztliche Attest, fallen die Kosten und die Ausgaben in den Bereich der außergewöhnlichen Belastungen.

Video: VdK-TV: Pflegeleistungen Teil 5 – Barrierefreier Umbau

Kosten & finanzielle Belastungen im Alter

Das liefert den Bauherren und Hausbesitzern Planungsgrundlagen, um das altersgerechte Wohnen in die Tat umzusetzen. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, über einen Förderkredit oder einen KfW-Kredit jeden Raum altersgerecht umzugestalten. Für die Bewilligung der Kreditsumme ist jedoch die Einhaltung der strengen Norm eine zwingende Voraussetzung. Andernfalls ist es fraglich, Unterstützung von der Pflegekasse zu bekommen.

Die Kosten für eine größere Wohnungsanpassung sind nicht zu unterschätzen, denn sie können enorme Höhen erreichen. Bis zu 4.000 € für jede Umbaumaßnahme ist möglich, je nachdem welche Pflegestufe vorliegt. Details gibt es im Sozialgesetzbuch 11 Paragraph 40. Im Hinblick auf die finanziellen Mittel gilt es, genügend Zeit einzuplanen, da zwischen der Beantragung und der Bewilligung der Zahlungsmittel schon einmal sechs Monate ins Land gehen können.

Besonders problematisch stellt sich die eigene Wohnung dar, wenn sie sich über mehrere Etagen erstreckt. Oftmals ist es im Alter mit enormen Gefahren verbunden, die Treppen und verwinkelte Stufen zu erklimmen. (#02)

Besonders problematisch stellt sich die eigene Wohnung dar, wenn sie sich über mehrere Etagen erstreckt. Oftmals ist es im Alter mit enormen Gefahren verbunden, die Treppen und verwinkelte Stufen zu erklimmen. (#02)

Treppen und Sessellifte

Besonders problematisch stellt sich die eigene Wohnung dar, wenn sie sich über mehrere Etagen erstreckt. Oftmals ist es im Alter mit enormen Gefahren verbunden, die Treppen und verwinkelte Stufen zu erklimmen. In diesem Zusammenhang gibt es mittlerweile diverse Lösungen, die Abhilfe schaffen.

Einer der Klassiker im Segment ist der Sitzlift, der gefährliche Treppenpassagen überwindbar macht. Die entsprechende Person setzt sich einfach in den spezifischen Stuhl, betätigt einen Knopf und fährt auf Wunsch nach oben sowie nach unten. Bedenken ließe sich in diesem Zusammenhang, dass gerade der Beckenbruch und der Oberschenkelhalsbruch infolge von Stürzen zu schwerwiegenden Komplikationen im Alter führen. Da macht es Sinn, sich frühzeitig über die Anschaffung dieser Hilfen Gedanken zu machen.

Video: Ein barrierefreies Bad entsteht.

Risikozone: Badezimmer

Das Badezimmer gehört wohl zu einem der Räume, in denen es zu den weitreichendsten Umgestaltungen kommt. Andernfalls lassen sich Badewanne und Dusche im Alter nicht mehr benutzen, da sie ohne Halterungen eine enorme Rutschgefahr bergen. Zudem ist es oftmals nicht mehr möglich, mit den Jahren aus der Wanne und aus eigener Kraft aufzustehen und sich hineinzulegen. Hier gibt es Liftsysteme, Halterungen und Sitze, die das Bad sicherer und komfortabler machen.

ACHTUNG: Wer sich finanzielle Unterstützung und Zuschüsse von der Krankenkasse oder Pflegekasse verspricht, muss eine gewisse Pflegestufe nachweisen. Andernfalls sind die Kosten für die Umgestaltung selbst zu tragen. Geht es jedoch um die Pflege eines pflegebedürftigen Menschen, können die meisten Antragsteller mit Zuschüssen für die Umgestaltung des eigenen Zuhauses rechnen

Das Badezimmer gehört wohl zu einem der Räume, in denen es zu den weitreichendsten Umgestaltungen kommt. (#01)

Das Badezimmer gehört wohl zu einem der Räume, in denen es zu den weitreichendsten Umgestaltungen kommt. (#01)

Altersgerecht Wohnen für wenig Geld

Auch mit einem schmaleren Budget ist es möglich, den Wohnraum umzugestalten. Schlussendlich geht es in erster Linie darum, die Handicaps und die Stolperfallen aus der Wohnung zu holen. So benötigen ältere Menschen mit einer Gehhilfe größere Bewegungsfreiheit und mehr Platz. Oftmals gibt es schon eine enorme Verbesserung, wenn die Kleinigkeiten, die in der Wohnung rumstehen und keine direkten Zweck erfüllen, aus dem Weg geräumt werden. Der kleine Tisch in der Ecke, das Regal mit Dekoration im Korridor oder die Blumentöpfe auf der Treppe können schnell zur Stolperfalle werden.

Nicht zu vernachlässigen ist die Einstellung der elektrischen Geräte auf die Bedürfnisse älterer Menschen. Zu den geläufigen Geräten gehören Radio, Fernseher, Telefon und Freisprechanlage direkt an der Haustür. Auch hier gibt es spezifische Seniorentelefone und Fernbedienungen, die mit entsprechend großen und eindeutigen Tasten versehen sind. Zudem ist es ratsam, gemeinsam nach dem Kauf die Bedienungsanleitung zu studieren und die wichtigsten Personen herauszustellen.

Von besonders großem Interesse sind die Klingelsysteme und die Freisprecheinrichtungen, ist dies doch einer der ersten Kontaktpunkte, wenn jemand an der Tür klingelt. Fremde Leute, Verkäufer und fliegende Händler haben es auf Rentner abgesehen, um ihre Gutmütigkeit auszunutzen und ein Geschäft zu machen. Hier eignen sich insbesondere spezielle Einrichtungen, bei denen es älteren Menschen möglich ist, mit jemandem zu sprechen und denjenigen zu sehen, ohne dabei die Tür zu öffnen.

Um das Aufstehen und Hinsetzen sowie das Hinlegen zu erleichtern, sind alle Sitzmöbel zu erhöhen. (#03)

Um das Aufstehen und Hinsetzen sowie das Hinlegen zu erleichtern, sind alle Sitzmöbel zu erhöhen. (#03)

So fällt das Aufstehen viel leichter

Um das Aufstehen und Hinsetzen sowie das Hinlegen zu erleichtern, sind alle Sitzmöbel zu erhöhen. Schreinerbetriebe können eine niedrige Couch oder einen Sessel an die eigene Sitzhöhe anpassen und zum Beispiel bei einer Couchgarnitur oder einem Bett die Beine abmontieren und austauschen. So kommen Verbraucher um den Kauf neuer Möbel herum und können ihre Schmuckstücke auch im Alter nutzen.

Ist eine Person in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, gilt es an den neuralgischen Punkten der Wohnung zusätzliche Griffe zur Sicherheit anzubringen. Ein Beispiel ist das Fenster. Hier ist es älteren Menschen schwerlich möglich, sich aus eigener Kraft aus einem Rollstuhl zu bewegen, um die Fenster zu öffnen oder zu schließen. Viel einfacher wäre es, wenn sich an dieser Stelle eine Halterung befindet.

Video: VdK TV: Hilfsmittel

Hilfsmittel im Alltag einsetzen

Der Markt hat auf die steigende Nachfrage reagiert und eine wirklich facettenreiche Auswahl an Hilfsmitteln für den alltäglichen Gebrauch herausgebracht. So gibt es sprechende Schlüsselanhänger, Anziehhilfen oder automatische Systeme, die bei der Bedienung der Rollläden und der Heizung helfen. Befindet sich zum Beispiel ein Sender am Briefkasten, sendet dieser ein Signal, wenn sich Post im Briefkasten befindet. Das spart unnötige Wege aus dem Haus. Ebenso verhält es sich mit Läufern, Teppichen oder Abtretern. Schon die kleinsten Kanten werden bei Gehproblemen zur gefährlichen Stolperfalle. Hier gilt es zum Beispiel die Läufer am Boden festzukleben oder im Fußboden einzulassen. Gerade Treppenstufen werden dank LEDs und Markierungen sicherer. An den wichtigen Punkten in der Wohnung gilt es, durchgängige Handläufe anzubringen, um den Stand zu sichern.

SOS Telefon und Notfallknopf

Eine der wichtigsten Einrichtungen für Senioren ist zum Beispiel der Notfallknopf bzw. das SOS-Telefon. Nicht selten müssen Notärzte ältere Menschen nach Tagen aus ihren Wohnungen herausholen, weil diese nicht im Stande waren, sofort ärztliche Hilfe zu rufen. Diese Knöpfe sind, wenn möglich, immer im Körper zu tragen, um im Notfall zum Retter zu werden.

Es macht Sinn, sich frühzeitig über barrierefreies Bauen und Wohnen Gedanken zu machen und die notwendigen Schritte einzuleiten, um für die Zukunft vorbereitet zu sein. So lässt sich der Übergang in ein Altersheim oder in ein Pflegeheim oftmals abwenden, wenn sich die eigenen vier Wände auf die besonderen Lebensumstände einstellen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Halfpoint  -#01: linerpics   -#02: Robert Kneschke  -#03: Golden Pixels LLC



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Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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