Vliestapete: Untergrund richtig vorbereiten

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Die bisherige Tapete runter, die neue an die Wand. Ganz so geht es nicht. Wer aber jeden Arbeitsschritt kennt, der hat bald Freude mit der Vliestapete.

Vliestapete: Arbeitsschritt 1 bis 5

Mit ein paar Hürden, aber es ist geschafft: Wer seine alten Tapeten abgelöst hat, ohne in den eigenen vier Wänden eine neue Baustelle auf zu tun, der hat viel geschafft.

Auf dem Weg von der bisherigen Bekleidung der Wand bis zur neuen Vliestapete sind dann folgende Schritte besonders wichtig:

  • Beschaffenheit der Wand prüfen
  • Saugfähigkeit der Flächen prüfen
  • Tragfähigkeit der Wand prüfen
  • Feuchtigkeit der Wand kontrollieren
  • Glätte oder Risse kontrollieren

Vliestapete: Zustand der Wand prüfen

Ohne diesen Arbeitsschritt wird es mit der Vliestapete nichts: Bevor Handgriffe wie zuschneiden und einkleistern auf dem Plan stehen, ist es unerlässlich, dass die Beschaffenheit der Wand unter die Lupe genommen wird. Dieser Schritt ist notwendig, damit der Untergrund für die neue Vliestapete trocken, sauber, glatt, tragfähig und saugfähig ist.

Dafür kommt es auch auf den Test der Saugfähigkeit an, der wie folgt aussehen sollte:

  • Die Saugfähigkeit der Wand wird mit einem Wassertest geprüft.
  • Dafür wird Wasser mit einem Pinsel oder einer Rolle auf die Wand aufgetragen.
  • Es bilden sich Wasserperlen auf der Oberfläche: Dann ist der Untergrund kaum oder nicht saugfähig.
  • Das Wasser wird sofort aufgenommen und die Oberfläche färbt sich dunkel: Dann handelt es sich um eine Wand mit einem stark saugenden Untergrund.
  • Auch wichtig: Beim stark saugenden Untergrund sind oft Haarrisse erkennbar.

Video: Selber Tapezieren? Gewusst Wie – So kommt Ihre Traumtapete an die Wand!

Vliestapete: Festigkeit der Wand prüfen

Wand und Decke müssen viel aushalten. Ob die Tragfähigkeit wirklich gut ist, das lässt sich in der Praxis testen: Im Rahmen einer Untergrundvorbehandlung gibt es einige Tricks, um die Tragfähigkeit der Wand festzustellen, wie zum Beispiel dass man mit der Handinnenfläche über die Wand und/oder Decke fährt. Zeigt sich die Handfläche weiß, ist es an der Zeit zu handeln. Außerdem ist es ratsam, an der Wand eine Druckprobe zu machen, um festzustellen, wie stabil sie ist. Dieser Test geht wie folgt:

Zuerst mit dem Daumennagel gegen Wand und Decke drücken. Platzen Teilchen ab oder bildet sich eine Mulde, weist der Untergrund nicht die nötige Festigung zum Tapezieren auf. Ebenso gibt es eine weitere Maßnahme, um die Tragfähigkeit zu testen: Wenn alte Anstriche oder Farbreste vorhanden sind, dann sollten diese mit einem Cuttermesser an einer winzigen Stelle kreuzförmig eingeschnitten werden. Als nächstes Klebeband darauf anbringen, die fest andrücken und ruckartig wieder abreißen. Bleiben Farbteile hängen, so ist keine gute Tragfähigkeit gegeben.

Vliestapete: Die Wand auf Nässe prüfen

Eine Wand, in der sich Feuchtigkeit gebildet hat, ist als Untergrund für eine Vliestapete nicht geeignet. Bevor also die Neugestaltung eines Raumes losgeht, sollte geguckt werden, ob die Wand zum Beispiel dunkle Verfärbungen, Stockflecken oder Schimmelspuren aufweist. Das sind eindeutige Zeichen von Feuchtigkeit. Die Stärke der Feuchtigkeit kann dann am besten mit einem Feuchtigkeitsmessgerät ermittelt werden, das sich der Hobbyheimwerker zum Beispiel im Baumarkt ausleihen kann.

Feine Risse und kleine Löcher sind meistens schon bei der ersten Begutachtung der Wand oder Decke sichtbar. (#01)

Feine Risse und kleine Löcher sind meistens schon bei der ersten Begutachtung der Wand oder Decke sichtbar. (#01)

Vliestapete: Die Wand auf Glätte prüfen

Feine Risse und kleine Löcher sind meistens schon bei der ersten Begutachtung der Wand oder Decke sichtbar. Für eine genaue Prüfung des Untergrunds auf dessen Glätte gibt es einen guten Trick:

  • Die Wand mit dem Streiflicht einer Handlampe ableuchten.
  • So lässt sich die Wand intensiv auf eine glatte, regelmäßige Beschaffenheit testen.
  • Der Untergrund ist arg beschädigt oder weist noch alte Anstriche auf. Dann sind meistens spezielle Techniken notwendig, die oftmals nur ein Fachmann umsetzen kann, um den Untergrund für eine Vliestapete vorzubereiten.
  • Wenn eine leicht raue oder verfilzte Oberfläche besteht, dann sollte die Wand mit einer so genannten Feinmakulatur zum Streichen behandelt werden. Diese gibt es im Heimwerkerbedarf.
Trotz einer sehr guten Untergrundvorbereitung kann es aber immer noch sein, dass das Ergebnis des Tapezierers nicht zufriedenstellend ist.

Trotz einer sehr guten Untergrundvorbereitung kann es aber immer noch sein, dass das Ergebnis des Tapezierers nicht zufriedenstellend ist.

Vliestapete: Das sagen die Experten

Wenn die Untergrundvorbereitung erfolgreich abgeschlossen ist, kann sich der Heimwerker nun daran machen, die neue Vliestapete zuzuschneiden und einzukleistern zu wollen. Dabei sollten einige Punkte beachtet werden: Immer wieder gibt es Probleme im Nahtbereich der Vliestapete, wie beispielsweise Lothar Steinbrecher, vielen als Tapetenpapst bekannt, erklärt: “Gravierende Probleme mit Vliestapeten gibt es zwar nicht, aber minimale Tapetennahtveränderungen wie Nahtöffnungen treten öfter auf.” Als Ursachen nennt er zum Beispiel die Untergrundvorbehandlung, die nicht richtig erfolgt ist, der Einsatz von Kleister und Klebemittel oder auch die Trocknung der Tapete.

Vliestapete: Tipps für Heimwerker

Auch Susanne Reich-te Kate, Technische Bevollmächtige bei Henkel-Metylan vertritt die Meinung, dass es die Vliestapete dem Verarbeiter in erster Linie einfacher mache. Sie gibt aber einen wichtigen Hinweis an Heimwerker, die in nächster Zeit mit Vliestapete arbeiten möchten: “Der Systemgedanke, die Verwendung von aufeinander abgestimmten Produkten sowohl für die Untergrundvorbehandlung als auch für die Verklebung ist … sehr wichtig, wird aber zum Teil unterschätzt.” Das bedeutet in der Praxis auch, dass zum Beispiel Kleister und andere verwendete Substanzen aufeinander abgestimmt sein sollten, bevor die Verarbeitung der Vliestapete losgehen kann.

Video: Untergrundprüfung vor dem Tapezieren (2.2)

Vliestapete: Wichtig für den Untergrund

Wer sich dabei für eine eher preiswerte Vliestapete entschieden hat oder entscheiden muss, der sollte nach einer gründlichen Untergrundvorbereitung das Folgende beachten:

  • Heimwerker sind gut beraten, preiswerten Vliestapeten zunächst eine kleine Weichzeit zu geben.
  • Das ist die Zeit vom Zusammenlegen und Einkleistern der Bahn bis zum Verkleben an der Wand.
  • Für den Untergrund sollte der Heimwerker immer einen einfarbigen, sorgfältig vorbereiteten und saugfähigen Untergrund schaffen.
  • Zusammen mit Kleister, der extra für die Vliestapete geeignet ist, kann es dann an die Arbeit gehen.
  • Nicht zu empfehlen sind dagegen Voranstriche der Wand mit Dispersionsfarben oder Tiefgründen.
  • Eine Wand, die so vorbereitet ist, eignet sich nicht mehr für die richtige Haftung einer Vliestapete, da sich der Kleister nicht mehr festhalten kann.

Viele Experten empfehlen dann einen Untergrund mit weiß pigmentiertem Tapetengrund. Bei dieser Grundierung handelt es sich um eine Substanz, die leicht gekörnt ist und somit gewährleistet, dass sich der Kleister richtig mit dem Untergrund verbinden kann. Vor allem bei hellgrundigen Vliestapeten, die im mittleren Preissegment liegen, sei pigmentierter Tapetengrund zu empfehlen, wenn der Untergrund mehrfarbig ist. Das gilt zum Beispiel für eine Wand aus Gipskarton.

Wenn die Untergrundvorbereitung erfolgreich abgeschlossen ist, kann sich der Heimwerker nun daran machen, die neue Vliestapete zuzuschneiden und einzukleistern zu wollen. (#03)

Wenn die Untergrundvorbereitung erfolgreich abgeschlossen ist, kann sich der Heimwerker nun daran machen, die neue Vliestapete zuzuschneiden und einzukleistern zu wollen. (#03)

Darüber hinaus gibt es noch ein paar Dinge, die man bei der Grundierung der Wand beachten sollte:

  • Glatter tragfähiger, aber stark saugender Untergrund kann mit verdünntem Kleister grundiert werden.
  • Bei hellgrundigen, transparenten Vliestapeten sollten nur eigens dafür entwickelte extra pigmentierte Tapetengrundiermittel zum Einsatz kommen.
  • Bei schweren Vliestapeten ist es besser, die Wand mit einem Renovier-Glattvlies vorzukleben.
  • Eine leicht strukturierte Vliestapete benötigt einen besonders glatten Untergrund.
  • Für den Kleister eignet sich zum Auftragen eine kurzflorige Rolle, um den Kleister gleichmäßig auf die Wand zu rollen. So genannte Kleisternester müssen vermieden werden.
  • Vliestapeten können nach dem Zuschneiden aber auch durch ein Kleistergerät gezogen und sofort tapeziert werden. So spart man sich den einen oder anderen Arbeitsschritt.

Trotz einer sehr guten Untergrundvorbereitung kann es aber immer noch sein, dass das Ergebnis des Tapezierers nicht zufriedenstellend ist. Das kann dann auch am Werkzeug liegen, wie etwa wenn die Vliestapete an die Wand gebracht wird: Vliestapete soll zum Beispiel nicht mit der Moosgummirolle an die Wand gedrückt werden, da das die Länge und damit den Ansatz des Musters verändern kann.

Hans-Peter Wagner gibt von daher folgenden Tipp: “Ich nehme den Tapezierwischer und fixiere die Tapete lotrecht an der Wand. Je nach Art nehme ich dann eine Moosgummirolle zum Nachrollen. Die Nähte behandele ich mit einem konischen Nahtroller (wenig Druck), es sollte kein Klebemittel rausgequetscht werden”. So wird die Gestaltung mit Vliestapete zum Erfolg.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _Kzenon -#01: Nagy-Bagoly Arpad -#02: Gajus -#03: Phovoir

 

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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