Neue Küche: Was selber machen und was dem Profi überlassen?

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Der Kauf einer Küche stellt eine der größten Einzelinvestitionen im Leben der meisten Menschen dar. Bei Preisen von zehntausend Euro aufwärts stellt sich die Frage, ob man nicht einiges selbst machen kann. Und wann schaltet man besser einen Profi ein?

Wie kauft man heute Küchen?

Der Kauf von Haus oder Wohnung sowie der Autokauf gelten gemeinhin als die größten Investitionen durchschnittlicher Haushalte in Deutschland. An dritter Stelle (manchmal sogar noch vor dem Auto) kommen dann schon oft die Kosten für eine neue Küche. Nun muss es für die kleine Küchenzeile für die erste Wohnung noch kein teures Designer-Stück mit allen Schikanen sein, doch spätestens, wenn man sich irgendwo (eventuell mit Familie) langfristig niederlassen möchte, soll auch die Küche passen. Die hohen Investitionen verteilen sich immerhin auf eine Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten.

Dabei gilt: Je teurer die Küche, desto langlebiger sollte sie natürlich sein. Das betrifft nicht nur die Optik und Verarbeitung der einzelnen Komponenten, sondern auch das Design. Denn was nützt eine Küche, die technisch noch völlig in Ordnung ist, aber optisch einfach nicht mehr ins Bild passt? Vieles können Heimwerker heute selbst erledigen, wenn es um den Aufbau einer Küche geht. Doch vor allem bei der Planung wird von Beginn an viel falsch gemacht. Das, was im Katalog oder im Küchenplaner so toll gewirkt hat, kann in der Realität plötzlich ganz anders aussehen.

Bevor man ein Küchenstudio aufsucht, sollte man sich fragen, ob es überhaupt der richtige Partner für den Küchenbau ist. Referenzen in Form von Bildmaterial tatsächlich aufgebauter Küchen bei Endkunden ist dabei besonders wichtig.

Bevor man ein Küchenstudio aufsucht, sollte man sich fragen, ob es überhaupt der richtige Partner für den Küchenbau ist. Referenzen in Form von Bildmaterial tatsächlich aufgebauter Küchen bei Endkunden ist dabei besonders wichtig.(#01)

Wo kauft man die neue Küche am besten?

Früher ging man zu einem Schreiner, ließ sich die Küche planen und bekam sie dann mehr oder weniger zeitnah eingebaut. Das kann man heute immer noch tun, doch solch hochwertige Handwerksarbeit ist aufgrund der hohen Individualität einfach sehr teuer. Günstiger ist es also, eine individuelle Küche aus dem Küchenstudio zu bestellen. Dort hat man immer noch die freie Wahl aus vielen Designoptionen, Bauformen und Materialien, profitiert aber von der Massenfertigung (das gilt selbst für hochwertigste Designerstücke). Um die persönliche Traumküche zu bekommen, ist jedoch einiges an Vorbereitung notwendig. Bevor man ein Küchenstudio aufsucht, sollte man sich fragen, ob es überhaupt der richtige Partner für den Küchenbau ist.

Referenzen in Form von Bildmaterial tatsächlich aufgebauter Küchen bei Endkunden ist dabei besonders wichtig. Oft bekommt man im Internet über Kundenbewertungen ebenfalls einen Eindruck von der Zufriedenheit anderer Besteller. Viele Menschen machen den Fehler, ins örtlich nächste Küchenstudio zu gehen, weil das so schön praktisch ist. Immerhin ist es mit einem Besuch in der Regel nicht getan, und die weiten Wege in die nächste Stadt müssen natürlich berücksichtigt werden. Andererseits kann das Endergebnis einen weiteren Weg durchaus rechtfertigen.

Vergessen Sie nie, dass eine Küche eine Großanschaffung für einen längeren Zeitraum ist. Man sollte sich zudem nicht scheuen, den Küchenplaner zu wechseln, wenn man irgendwie das Gefühl hat, nicht zufrieden zu sein. Die Möglichkeit, am Computer Küchen sehr detailliert planen zu können, wird immer häufiger genutzt. Dazu ist nicht unbedingt eine Fachberatung notwendig, aber wer es noch nie gemacht hat, sollte eventuell dennoch zu einem Profi gehen und sich beraten lassen.

Vergessen Sie nie, dass eine Küche eine Großanschaffung für einen längeren Zeitraum ist.

Vergessen Sie nie, dass eine Küche eine Großanschaffung für einen längeren Zeitraum ist.(#02)

Rechtzeitige Planung ist entscheidend für die Traumküche

In der Werbung wird häufig suggeriert, dass man eine Küche mal eben auf dem Heimweg nebenbei planen und konzipieren lassen kann und sie dann wenige Tage später fix und fertig geliefert wird. Das ist natürlich Unfug. Abgesehen von fertigen Küchenzeilen, die sich kaum individuell anpassen lassen, müssen Küchen nicht nur sorgfältig geplant, sondern auch auf Maß angefertigt werden. Selbst bei der Verwendung von Standardteilen ist das notwendig, denn schließlich sind die Maße und räumlichen Gegebenheiten in allen Küchen der Welt unterschiedlich. Schon die Fehlberechnung eines Winkels oder das Nichtbeachten von Details rächen sich.

Bis die Küchenplanung abgeschlossen ist, sind nicht selten drei oder mehr Termine vor Ort notwendig. Inklusive Fertigung und Lieferung können mehrere Monate (manchmal bis zu einem halben Jahr) ins Land gehen, bis die Küche endlich eingeweiht werden kann. Besonders dann, wenn man einen Umzug bzw. Hausbau schon über längere Zeit plant, sollte man die Küche also so früh wie möglich beauftragen. Nur so können Besonderheiten wie die Wunschinstallation von Wasser- und Strom an den vorgesehenen Stellen berücksichtigt werden. Handelt es sich nicht um einen Erstbezug, sind die Anschlüsse natürlich bereits vorhanden. Änderungen oder Renovierungsarbeiten (z. B. bei den Bodenfliesen) müssen ebenfalls in den Zeitplan eingearbeitet werden. Oftmals werden die Maße vom Kunden selbst erhoben – doch wer nicht im Umgang mit dem Maßband geübt ist, begeht schnell Messfehler, die sich aufaddieren und zu schlimmen Ergebnissen führen können.

Häufig vergessen werden Öffnungswinkel von Türen und Fenstern bzw. den späteren Schranktüren. Passt der Kühlschrank noch in die Ecke? Kann die Ofentür richtig geöffnet werden? Und was ist mit dem Heizkörper an der Wand, der dann plötzlich zugebaut wäre? Je individueller die Vorgaben, desto sorgfältiger muss die Planung erfolgen. Übrigens: Denken Sie nicht nur an die Flächenmaße, sondern auch an die Höhe der Arbeitsplatte, der oberen Schränke sowie eventuelle Einschränkungen durch Dachschrägen etc. Eine Küche ist kein zweidimensionales Objekt! Sonderwünsche können früh in der Planungsphase berücksichtigt werden – später jedoch nicht mehr.

Versierte Heimwerker, die schon öfter eine Küche auf- oder abgebaut haben, bekommen das in der Regel auch ganz gut hin.

Versierte Heimwerker, die schon öfter eine Küche auf- oder abgebaut haben, bekommen das in der Regel auch ganz gut hin.(#03)

Die Finanzen sind bei der Küchenplanung entscheidend

Bevor man sich überhaupt mit der Küchenplanung beschäftigt, sollte man einen Blick auf die Finanzen werfen. Je mehr man selbst machen kann, desto günstiger – aber letztlich muss man sich ein bestimmtes Budget setzen, das für Anschaffung und Aufbau der Küche zur Verfügung steht. Großen Einfluss haben dabei die gewünschten Geräte, die den Preis einer Küche stak nach oben treiben können. Diese sehr individuelle Entscheidung kann einem kein noch so guter Küchenplaner abnehmen.

Es ist aber wichtig, die eigenen Vorstellungen und finanziellen Grenzen zu kennen und einzuhalten. Eine voll ausgestattete Küche mittlerer Größe kostet je nach Qualität locker 10.000 Euro. Premiumküchen können aber weit darüber hinausgehen, Kosten von 30.000 Euro und mehr sind keine Seltenheit in manchen Segmenten. Dieser Ausgabe kann man zwar die lange Lebensdauer einer Küche gegenüberstellen, aber finanzieren muss man sie letztlich doch sofort. Trotzdem: Wenn Sie ein schlechtes Gewissen haben, weil die Küche so teuer ist, denken Sie daran, dass Sie die Kosten über einen Zeitraum von 20 Jahren – manchmal sogar mehr – betrachten sollten. Das macht es nicht günstiger, entlastet aber das Gewissen.

Beim Selbermachen kann viel schief gehen. Oft wird eine Mischkalkulation aus professioneller Küchenplanung, hochwertigen Geräten und Komponenten sowie dem Selbstaufbau aufgestellt. Versierte Heimwerker, die schon öfter eine Küche auf- oder abgebaut haben, bekommen das in der Regel auch ganz gut hin. Bei schwierigen baulichen Verhältnissen, bei denen Feinarbeiten und Justierungen nötig sind, kann es jedoch schwierig werden, selbst Hand anzulegen. Schon die Einstellung von Fangbändern an den Türen oder Schubladen der Küchenschränke kann für Laien ein echtes Problem werden. Schlimm wird es, wenn bei Arbeiten die teure Arbeitsplatte ruiniert wird. Das ist beim Zuschnitt schnell passiert – einmal falsch gemessen, und die Platte kann nicht mehr richtig verbaut werden.

Hier ist insbesondere der berüchtigte Ausschnitt der Küchenspüle zu erwähnen – der häufigste Fehler dabei ist sicherlich, dass beim Aussägen die Außenmaße der Spüle (und nicht der innere Rand) angezeichnet wird und die Spüle eventuell einfach durch das Loch fällt. Bei diesen Dingen hat man nur einen Versuch – wer sich das nicht zutraut oder nicht über das notwendige Werkzeug verfügt, sollte unbedingt einen Profi zu Rate ziehen.

Stauraum ist ein sehr wichtiger Aspekt bei der Küchenplanung. Es gilt: Je freier die Arbeitsfläche, umso leichter die Reinigung und umso mehr Freiraum bei der Arbeit, dem eigentlichen Kochen.

Stauraum ist ein sehr wichtiger Aspekt bei der Küchenplanung. Es gilt: Je freier die Arbeitsfläche, umso leichter die Reinigung und umso mehr Freiraum bei der Arbeit, dem eigentlichen Kochen.(#04)

Stauraum ist ein knappes Gut in Küchen

Stauraum ist ein sehr wichtiger Aspekt bei der Küchenplanung. Es gilt: Je freier die Arbeitsfläche, umso leichter die Reinigung und umso mehr Freiraum bei der Arbeit, dem eigentlichen Kochen. Doch Geräte wie Toaster oder die Kaffeemaschine räumt man in der Regel nicht ständig in den Schrank. Permanent aufgebaute Geräte oder Küchenutensilien in Griffweite wird man also auf jeder Arbeitsplatte irgendwo aufstellen müssen. Umso wichtiger, dass für alle anderen Gerätschaften (z. B. Töpfe, Pfannen, Bestecke etc.) ausreichend Raum in Schubladen und Schränken vorhanden ist. Oft vergessen wird bei der Planung, dass die Dunstabzugshaube ebenfalls Raum einnimmt. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Die Unterbau-Haube mit Filtereinsatz ist zwar günstig und platzsparend (ein Schrank kann in der Regel über der Haube verbaut werden), aber wer den Platz hat, sollte eine gute, leistungsfähige Dunstabzugshaube (nach Möglichkeit mit Abzug nach draußen) einplanen. Optisch sehr ansprechend sind die modernen Absaugvorrichtungen (Downdraft), die direkt im Herd verbaut werden und den Dunst über ein starkes Gebläse direkt nach unten absaugen. Das spart über dem Herd Platz und bietet sich insbesondere für freistehende Kücheninseln an, wird aber durch hohen Platzbedarf unter der Arbeitsplatte erkauft. Denn neben dem eigentlichen Gerät für den Dunstabzug müssen selbstverständlich auch entsprechende Abzugsrohre unter der Arbeitsplatte verlegt werden, die weiteren Stauraum kosten.

Die Küchenplanung ist ein Zusammenspiel zwischen Kunde, Küchenplaner und anderen Beteiligten. Insbesondere bei Entwürfen, die stark vom Standard abweichen oder sich von der bislang am selben Ort installierten alten Küche unterscheiden, können zusätzliche Arbeiten notwendig werden. Die Verlegung von Strom-, Gas- oder Wasseranschlüssen an die gewünschten Stellen sowie Maler- und Bodenarbeiten muss man rechtzeitig durchführen. Auch hierbei kann man einiges selbst machen, doch besonders von Strom, Gas und Wasser sollte man als Laie seine Finger lassen – die Gefahr, etwas falsch zu machen, ist einfach zu groß. Bei größeren Veränderungen in Mietwohnungen sollte man zudem den Vermieter informieren bzw. um Erlaubnis bitten, wenn Eingriffe in die hausseitigen Installationen vorgenommen werden.

Checkliste für die Küchenplanung:

  • geeignetes Küchenstudio suchen
  • fertiger Entwurf von der Stange oder individuelle Küchenplanung nach Maß?
  • Budget bei der Auswahl von Ausstattung, Geräten und Materialien beachten
  • rechtzeitig mit der Planung beginnen (Lieferzeiten beachten!)
  • alte Küche rechtzeitig entsorgen, damit ggf. Renovierungsarbeiten durchgeführt werden können
  • bei Selbstaufbau große Sorgfalt beim Ausmessen und Zuschneiden von Komponenten erforderlich
  • Hilfe vom Profi besser zu früh als zu spät in Anspruch nehmen
  • etwaige Umbauten bei Installationen ggf. vom Vermieter absegnen lassen
Die Küchenplanung ist ein Zusammenspiel zwischen Kunde, Küchenplaner und anderen Beteiligten.

Die Küchenplanung ist ein Zusammenspiel zwischen Kunde, Küchenplaner und anderen Beteiligten.(#05)

Fazit: Küchenplanung war nie so komplex wie heute

Die elektronischen Hilfsmittel am Computer oder sogar am Smartphone machen die Küchenplanung gut strukturiert und visualisierbar. Sie wird dadurch aber auch sehr komplex. Ohne professionelle Beratung sollten Anfänger zumindest bei kritischen Dingen wie dem korrekten Ausmessen der Örtlichkeiten und dem Aufbau der Küchensegmente große Sorgfalt an den Tag legen. Am falschen Ende zu sparen, kann teuer werden, wenn die Arbeitsplatte erst einmal verschnitten ist. Großen Einfluss auf die Endkosten hat die Wahl der Geräte, die in der Küche verbaut werden.


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About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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