Unfälle beim Heimwerken: Tipps für mehr Sicherheit

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Jährlich mehr als 300.000 Unfälle beim Heimwerken lassen den Schluss zu, dass diese Beschäftigung sehr gefährlich ist. Meist liegt es an mangelnder Konzentration sowie fehlender Schutzausrüstung.

Unfälle beim Heimwerken: Die häufigsten Verletzungsursachen

Zahlreiche Unfälle beim Heimwerken würden sich vermeiden lassen, wenn die Sicherheit beim Werkeln berücksichtigt werden würde. Die Verletzungen sind zwar häufig nicht schwer, doch auch abgetrennte Finger, gebrochene Wirbelsäulen und ähnliche Unfallfolgen sind möglich. Dabei ist auffällig, dass sich viele Unfälle beim Heimwerken ähneln bzw. dass immer die gleichen Ursachen für die Verletzungen verantwortlich sind.

Unfallfolgen auch ein berufliches Problem

Verletzungen durch Unfälle beim Heimwerken sind mehr als nur ärgerlich. Je nach Schwere der Verletzung kann es sein, dass der Betreffende für längere Zeit krankgeschrieben ist. Ein Verdienstausfall entsteht spätestens ab der siebten Woche der Krankschreibung, wenn das normale Gehalt nicht mehr wie bisher weitergezahlt wird. Eine Unfallversicherung fängt die finanzielle Belastung ab und sichert das Einkommen für die Dauer der Krankschreibung. Doch auch diese Versicherung hat ihre Grenzen!

Während für einen Unternehmer oder Selbstständigen, die Rundum-Absicherung für Handwerker unverzichtbar ist, sollte also bei jedem Hobbybastler eine Unfallversicherung vorliegen. Bestenfalls auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung, denn die Berufsunfähigkeit ist gesetzlich nur noch bedingt abgesichert. Diese Versicherung kommt zum Tragen, wenn die Unfallfolgen so schwer sind, dass der Heimwerker nicht mehr in seinem Beruf arbeiten bzw. gar nicht mehr erwerbstätig sein kann.

Verletzungen durch Unfälle beim Heimwerken sind mehr als nur ärgerlich. ( Foto: Shutterstock - Studio Romantic )

Verletzungen durch Unfälle beim Heimwerken sind mehr als nur ärgerlich. ( Foto: Shutterstock – Studio Romantic )

Häufige Unfälle beim Heimwerken

Wie bereits erwähnt wurde, tauchen einige Unfallursachen immer wieder in der Statistik auf und so lässt sich der Schluss ziehen, dass gerade dabei auf mehr Sicherheit geachtet werden sollte.

Hier die häufigsten Ursachen für Unfälle beim Heimwerken:

  • Sturz von der Leiter

    Leiterunfälle sind unter den führenden Unfallursachen zu finden. Die Leiter steht nicht richtig, der Heimwerker ist von der Stufe abgerutscht oder es wurde auf der obersten Stufe gearbeitet: Gründe für einen Absturz gibt es viele. Leitern sollten daher nicht für lange dauernde Arbeiten verwendet werden (stattdessen besser auf ein Gerüst setzen!), es dürfen keine schweren Gegenstände mit auf die Leiter genommen werden und die Standsicherheit muss jederzeit gegeben sein. Zudem muss die Leiter die richtige Winkelung haben bzw. muss eine Spreizleiter mit der nötigen Sicherung versehen werden.

    Leiterunfälle sind unter den führenden Unfallursachen zu finden. ( Foto: Shutterstock-  tommaso79)

    Leiterunfälle sind unter den führenden Unfallursachen zu finden. ( Foto: Shutterstock- tommaso79)

  • Unsachgemäßer Umgang mit der Motorsäge

    Unfälle mit der Kreis- oder Motorsäge führen die Statistiken an und von einem sicheren Heimwerken kann meist keine Rede sein. Schnell wird noch etwas durchgesägt – ohne Schutzkleidung natürlich. Nebenbei wird geredet, ein Blick zum Gesprächspartner reicht, um die Finger abzutrennen. Außerdem sind die Hände kein Schraubstock, der das Sägematerial festhält! Daher gilt: Keine Hände an das laufende Sägeblatt nehmen, Schutzabdeckungen nicht abnehmen und vor dem Ablegen der Säge den Motor ausschalten. Um die Sicherheit zu gewährleisten, dürfen Abfallstücke nicht manuell entfernt werden.

  • Unfälle mit der Schleifmaschine

    Herumfliegende Späne, aufgewickelte Haare und fehlende Sicherheitshandschuhe sind meist die Gründe für Unfälle mit der Schleifmaschine. Dabei ist es so einfach, diese zu verhindern! Eine Schutzbrille schützt die Augen vor den Spänen, Ärmel sollten entweder kurz sein oder müssen festgemacht werden. Haare werden zusammengenommen, die Schleifspindel steht, wenn das Gerät abgelegt wird. So lassen sich die meisten Unfälle sicher verhindern.

  • Verletzungen durch Bohrmaschinen

    Beim Umgang mit der Bohrmaschine wird die Sicherheit oft nicht bedacht. Zahlreiche Tipps für Heimwerker drehen sich daher um das Arbeiten mit der Bohrmaschine, was bei unsachgemäßem Gebrauch des Geräts zu schweren Verletzungen führen kann. Häufig wird die Bohrmaschine zur Seite gelegt, obwohl sie noch nicht stillsteht.

    Teilweise wird versucht, einhändig zu bohren, der Bohrer rutscht ab und in die Hand, die neben der Wand abgestützt wurde. Wird das Werkstück nicht korrekt eingespannt, kann es sich lösen und durch das Herumfliegen Verletzungen verursachen. Daher gelten diese Tipps: Werkstücke richtig fest einspannen und nicht mit den Händen halten, Bohrmaschine mit beiden Händen halten, geeignete Bohraufsätze verwenden und für einen festen Stand vor dem Anlassen der Maschine sorgen.

    Beim Umgang mit der Bohrmaschine wird die Sicherheit oft nicht bedacht. ( Foto: Shutterstock-_Photographee.eu )

    Beim Umgang mit der Bohrmaschine wird die Sicherheit oft nicht bedacht. ( Foto: Shutterstock-_Photographee.eu )

  • Hammer als Unfallursache

    Löst sich der Hammerkopf von seinem Stiel, kann das durchaus problematisch werden. Auch getroffene Finger statt der Nägel können starke Verletzungen nach sich ziehen. Quetschungen und Prellungen, teilweise sogar Knochenbrüche sind je nach Schlagkraft möglich. Wichtig ist daher, nicht nur schnell zu schlagen, sondern vor allem treffsicher! Außerdem sollte der Hammerstiel bruchfest sein, der Hammerkopf frei von Graten. Der Hammerkopf muss fest auf dem Stiel sitzen, der einzuschlagende Nagel sollte frei von Öl und Schmutz sein, damit der Hammer nicht abrutscht.

  • Gefährliche Teppichmesser

    Cuttermesser sind durchaus gefährliche Werkzeuge und schnell kann das scharfe Messer in Hand, Arm oder Bein landen. Dort verursacht es schwere Verletzungen. Auch teils tiefe Schnitte beim Wechseln der Klingen sind möglich. Übrigens können auch stumpfe Klingen für tiefe Schnitte sorgen!

    Wichtige Tipps zur Vorbeugung von Heimwerker-Unfällen beziehen sich daher auch auf den Umgang mit Cuttermessern: Bitte immer scharfe Schneidwerkzeuge nutzen, Schnittgut in sicherer Entfernung festhalten, vom Körper weg schneiden und immer auf eine feste Unterlage achten!

    Ein Cuttermesser ist unglaublich scharf also Vorsicht ( Foto: Shutterstock-_Andrey_Popov )

    Ein Cuttermesser ist unglaublich scharf also Vorsicht ( Foto: Shutterstock-_Andrey_Popov )

  • Tödlicher Strom

    Jährlich sterben mindestens 80 Menschen durch Unfälle mit Strom. Sie versuchen, Leitungen neu zu verlegen, reparieren defekte Schalter oder ziehen vor Reparaturen den Stecker des Elektrogerätes nicht aus der Steckdose. Somit gilt: Stecker unbedingt ziehen, ehe am Gerät gearbeitet wird! Außerdem sollte bei Elektrogeräten nie am Kabel gezogen werden. Knickstellen gut beobachten, hier kann die Isolierung aufgehen und der Strom hat „freie Bahn“. Sicherungen sind wichtig, der FI-Schalter sollte mittlerweile überall Standard sein. Außerdem dürfen nur geprüfte Elektrogeräte verwendet werden.

  • Axt als Unfallquelle

    Viele Unfälle beim Heimwerken ereignen sich mit der Axt. Teilweise fliegt der Axtkopf oder das Spaltgut weg. Diese Teile treffen oft nicht den Axtführer, sondern umstehende Personen, somit ist die Axt für alle gefährlich. Das heißt, dass neben dem Hackklotz niemand stehen sollte, der nicht gerade selbst Holz hackt. Beim Spalten wird das Hackstück nicht festgehalten, eine verkeilte Axt darf nicht mit dem Hammer gelöst werden. Der Axtkopf sollte regelmäßig auf Schäden überprüft werden, ein rechtzeitiger Austausch ist wichtig.

  • Unfälle durch Gifte

    Der Umgang mit giftigen Stoffen kann ebenfalls gefährlich sein. Daher ist es wichtig, entzündliche Stoffe immer sachgemäß zu lagern und mit Gefahrstoffen in einem gut belüfteten Raum oder draußen zu arbeiten. Die Ausdünstungen von Lacken können schwere Vergiftungen hervorrufen! Gefahrstoffe dürfen niemals aus ihrem Originalbehältnis umgefüllt werden, schon gar nicht in Lebensmittelverpackungen oder Getränkeflaschen.

Ohne die nötige Schutzausrüstung Finger weg von Maschinen ( Foto: Shutterstock-Wallenrock )

Ohne die nötige Schutzausrüstung Finger weg von Maschinen ( Foto: Shutterstock-Wallenrock )

Weniger Unfälle beim Heimwerken: Weitere Tipps für mehr Sicherheit

Viele Unfälle beim Heimwerken lassen sich mit ein wenig Vorsicht vermeiden, denn allzu oft führen unbedachte Handlungen dazu, dass teils schwere Verletzungen entstehen.

Wer sicher arbeiten will, sollte daher auch die folgenden Tipps beherzigen:

  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA) nicht nur besitzen, sondern benutzen
  • Geräte regelmäßig auf Defekte kontrollieren, das gilt auch für Zubehörteile
  • immer vom Körper weg arbeiten
  • geeignete Unterlagen verwenden
  • mit Ruhe und Besonnenheit arbeiten
  • Bedienungsanweisungen und Sicherheitshinweise lesen
  • ausreichende Pausen einplanen
  • konzentriert arbeiten und sich nicht durch Gespräche ablenken lassen
  • umherstehende Personen auf Abstand halten
  • eigene Fähigkeiten realistisch einschätzen, sich nicht überschätzen
  • auf korrekte Sicherungen achten
  • sachkundige Personen um Hilfe bitten, wenn Arbeiten nicht eigenständig oder als Laie ausführbar sind
  • Geräte nur bestimmungsgemäß anwenden

Viele Unfälle beim Heimwerken lassen sich unter Berücksichtigung der oben genannten Tipps verhindern. Generell gilt, dass sich niemand überschätzen sollte, denn manche Dinge sind einfach Arbeiten für den Profi. Man denke hier nur etwa an das Neuverlegen von Kabeln für die Hauselektrik, welche aus gutem Grund durch die Fachfirma abgenommen werden müssen.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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