Industriestandards für den Hausbau: Wo muss was wie gemacht sein?

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Industriestandards sorgen beim Hausbau dafür, dass inzwischen etablierte Richtlinien für den Einbau von Steckdosen, Lichtschaltern und weiterer Technik eingehalten werden. Damit wird nicht zuletzt für mehr Sicherheit gesorgt.

Industriestandards im Hausbau: ISO und RAL

Viele Bauherren gehen bei der Planung eines Raumes beim Hausbau von einer bestimmten Anzahl Steckdosen aus. Dann werden „zur Sicherheit“ noch einmal zwei bis drei zusätzlich eingeplant. Doch meist zeigt sich in der Praxis, dass derartige Planungen nicht sinnvoll sind. Besser ist es, Industriestandards einzuhalten und die genannten Werte als Richtlinie zu nutzen. Neben ISO ist hier auch RAL als Standard zu nennen.

ISO-Normen als Industriestandards beim Bauen

Das Kürzel ISO steht für „International Organization for Standardization“. Diese Organisation für Normung wurde schon im Jahr 1947 gegründet und erarbeitet alle Normen rund um die Technik: Telekommunikation, Elektronik und Elektrik stehen auf der Agenda und werden über einheitliche Normen reglementiert.

Damit ist die Arbeitsgrundlage für den Elektriker geschaffen, der Steckdosen, Lichtschalter und Kraftsteckdosen in richtiger Anzahl und passende Höhe in die Planung und Umsetzung beim Hausbau aufnehmen muss.

Die Wirkung der ISO-Normen ist mittlerweile mit gängigen Rechtsvorschriften vergleichbar, wenngleich sie keine solche Funktion haben. Geht es um die einzuhaltenden Standards, wird im Hausbau und bei der Elektroinstallation vor allem von den verschiedenen DIN-Normen gesprochen.

Geht es um Industriestandards im Hausbau fällt auch der Begriff RAL regelmäßig. Auch hierbei handelt es sich um beim Bauen wichtige Richtwerte. ( Foto: Shutterstock-New Africa)

Geht es um Industriestandards im Hausbau fällt auch der Begriff RAL regelmäßig. Auch hierbei handelt es sich um beim Bauen wichtige Richtwerte. ( Foto: Shutterstock-New Africa)

Weitere Industriestandards im Hausbau über RAL geregelt

Geht es um Industriestandards im Hausbau fällt auch der Begriff RAL regelmäßig. Auch hierbei handelt es sich um beim Bauen wichtige Richtwerte. Diese geben Anhaltspunkte für die Planung der richtigen Anzahl und Höhe von Steckdosen oder Lichtschaltern. Angewendet wird der RAL RG 678 Standard, der speziell auf die Elektrik im Haus zugeschnitten ist.

Er nennt die passende Anzahl an Steckdosen, die in jedem Raum eines Hauses vorhanden sein sollten. Nichts ist schlimmer, als nach dem Hausbau feststellen zu müssen, dass in der Planung zu wenige Steckdosen oder Lichtschalter sowie Installationen für die Beleuchtung vorhanden waren. RAL sieht Empfehlungen für jeden Raum des Hauses vor, wobei diese Werte nicht bindend sind. Sie lassen sich jederzeit individuell anpassen.

Industriestandards im Hausbau: Empfohlene Richtwerte für alle Räume

Die empfohlenen Industriestandards beim Hausbau sind namentlich der bereits erwähnte RAL RG 678 sowie die DIN 18015-2/4. In beiden Normen geht es um die Elektroausstattung eines Hauses bzw. um dessen Mindestausstattung. Dabei lassen sich die Empfehlungen nach einzelnen Räumen oder nach Bereichen teilen.

Bei der Planung kann zum Beispiel von der Gesamtanzahl von Steckdosen und Lichtschaltern ausgegangen werden, diese wiederum werden auf die einzelnen Räume verteilt. Möglich ist es aber auch, die entsprechende Planung für jeden Raum einzeln vorzunehmen.

Steckdosen braucht man in ausreichender Anzahl in jedem Raum ( Foto: Shutterstock-RossHelen)

Steckdosen braucht man in ausreichender Anzahl in jedem Raum ( Foto: Shutterstock-RossHelen)

Anwendung der Industriestandards beim Hausbau für einzelne Räume

Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die empfohlenen Industriestandards beim Hausbau für einzelne Räume darstellen. Dabei ist anzumerken, dass die empfohlenen Zahlen für die Richtlinien der DIN stehen.

RAL verdoppelt die Empfehlungen zum Beispiel bei der Anzahl der Steckdosen:

  1. Steckdosen

    • Küche: 5 freie Steckdosen plus vier für Backofen, Geschirrspüler, Herd, Mikrowelle, außerdem ein Anschluss für die Dunstabzugshaube sowie weitere Anschlüsse für Kühlgeräte
    • Bad: 2 Steckdosen, ein Anschluss für den Lüfter
    • Wohnzimmer: 4 – 5 freie Steckdosen, 6 – 7 Steckdosen für Radio, TV, Receiver und weitere Anlagen
    • Schlaf- und Kinderzimmer: 4 freie Steckdosen, 4 weitere für elektronische Geräte oder Datenanschluss
    • Flur und Treppe: 2 freie Steckdosen, 2 für Radio und weitere elektronische Geräte
  2. Beleuchtung

    Es gibt feste Standardhöhen für Schalter und Steckdosen im Haus, wobei in der Regel von 105 cm für den obersten Schalter und von 20 bis 30 cm (gemessen vom Fußboden) für die Steckdosen auszugehen ist.

    Die folgenden Anzahlen sind zudem wichtig:

    • Küche: 2 Beleuchtungsanschlüsse
    • Bad: 2 Beleuchtungsanschlüsse
    • Wohnzimmer: 2 – 3 Beleuchtungsanschlüsse (je größer der Raum, desto mehr Anschlüsse, Grenze bei ca. 20 qm)
    • Schlaf- und Kinderzimmer: 1 Beleuchtungsanschluss
    • Flur und Treppe: mind. 2 Beleuchtungsanschlüsse
  3. Anschlüsse für Radio/TV/Daten

    Hierbei wird laut DIN für alle Räume mindestens ein Datenanschluss empfohlen. Diese Richtlinie ist als sehr individuell zu sehen, außerdem berücksichtigt sie nicht die doppelte Nutzung eines Raumes als Wohn- und Arbeitszimmer, was ggf. mehr Anschlüsse erfordert.

  4. Lichtschalter

    In allen Räumen wenigstens ein Lichtschalter neben der Tür, dabei Treppenaufgänge nicht vergessen. Möglicherweise separate Schaltung für verschiedene Raumbereiche (evtl. mit Dimmfunktion) installieren. Bei sehr großen Räumen an jedem Raumende (je nach Nutzung) ein Lichtschalter.

Bei allen Räumen ist zu beachten, dass es nicht nur auf die Einhaltung der jeweiligen Richtlinien ankommt, sondern auch auf die Planung des Bauherren, welche Industriestandards eins zu eins übernommen werden und welche individuell auszulegen sind.

Im Sinne einer späteren Vermietung oder eines möglichen Verkaufs des Hauses ist es empfehlenswert, sich strikt an die empfohlenen Industriestandards beim Bauen zu halten. Wer die Elektroinstallation richtig planen möchte, sollte daher auch die spätere Nutzung der Immobilie bedenken.

Aus gutem Grund muss eine Elektrofachbetrieb die Elektrik eines  Hauses abnehmen. ( Foto: Shutterstock- FOTOGRIN )

Aus gutem Grund muss eine Elektrofachbetrieb die Elektrik eines Hauses abnehmen. ( Foto: Shutterstock- FOTOGRIN )

Weitere Aspekte und wichtige Punkte für die Elektroinstallation

Wichtig: Aus gutem Grund muss eine Elektrofachbetrieb die Elektrik eines Hauses abnehmen. Auch wenn Bauherren einiges in Eigenleistung erbringen können, muss doch eine professionelle Abnahme erfolgen. Schon vor der ersten Planung sollte daher Rücksprache mit dem Profi gehalten werden. Er wird dazu raten, nicht mehr als vier bis sechs Steckdosen für jeden Stromkreis zu installieren, weil ansonsten eine baldige Überlastung droht.

Viele Hausbesitzer sehen sich mit zu wenigen Steckdosen konfrontiert und vergrößern deren Anzahl durch das Anstecken von Mehrfachsteckdosen („Verteiler“). Damit wird ein Stromkreis jedoch rasch überlastet, es kann zu Überhitzungen und sogar Kabelbränden kommen.

Wichtig ist überdies, die Anzahl von Steckdosen und Beleuchtungsanlagen von der Größe des Raumes abhängig zu machen. Je größer ein Raum, desto mehr Anschlüsse müssen vorgesehen werden. Außerdem gilt, dass die Höhe der Beleuchtungsanschlüsse relevant ist.

Üblicherweise sind über späteren Standorten von Tischen Anschlüsse für Deckenleuchten vorgesehen. Auch Wandleuchten, die installiert werden sollen, müssen ihre Anschlüsse bekommen. Vieles davon ist auch nachträglich möglich, doch die Verlegung von Kabeln über dem Putz ist meist weniger ästhetisch als Unter-Putz-Verlegungen.

Moderne Zeiten stellen zudem moderne Anforderungen. Bauherren sollten bei der Planung und beim Bauen unbedingt auch an die Wallbox für das E-Auto denken! Das Aufladen des E-Autos ist zwar auch über den normalen Hausstrom möglich, doch durch die hohe Strommenge, die hier dauerhaft fließt, sind Überlastungen vorprogrammiert. Wer daher baut, sollte direkt an diese neuen Anforderungen denken und entsprechende Planungen und Einbauten vornehmen.

Seit dem 1. Oktober 2016 müssen alle Gebäude, die neu geplant wurden bzw. werden, einen Überspannungsschutz nachweisen.( Foto: Shutterstock- metamorworks )

Seit dem 1. Oktober 2016 müssen alle Gebäude, die neu geplant wurden bzw. werden, einen Überspannungsschutz nachweisen.( Foto: Shutterstock- metamorworks )

Weitere Standards für den Hausbau und die Elektroinstallation

Seit dem 1. Oktober 2016 müssen alle Gebäude, die neu geplant wurden bzw. werden, einen Überspannungsschutz nachweisen. Dieser ist in der DIN VDE 0100-443 sowie in der DIN VDE 0100-534 geregelt. Damit soll sichergestellt werden, dass es nicht zu Überspannungsschäden kommt, was beispielsweise durch einen Blitzeinschlag der Fall sein kann. Je nach Stärke des Blitzes ist es aber dennoch möglich, dass Schäden vorkommen.

Wichtig: Der Überspannungsschutz muss möglichst dicht an den jeweiligen Einspeisepunkten installiert werden. Der beste Platz dafür ist der Zählerschrank. Die Kosten sind im Vergleich zu einem Überspannungsschaden gering und belaufen sich auf unter 500 Euro.

Zuletzt sei noch der Punkt der Nachhaltigkeit angesprochen, der auch bei der Elektroinstallation zu berücksichtigen ist. Die verschärfte Energieeinsparverordnung von 2106 bringt mit sich, dass auch bei der Heizung an den Strom gedacht werden muss. Wer beispielsweise das Haus mit der Wärmepumpe beheizen will, muss dafür sorgen, dass die Wärmepumpe Strom bekommt. Auch sie ist daher bei der geplanten Installation der Elektroanschlüsse einzubeziehen.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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